Unser Lebensstil
Fleisch macht hungrig Drucken E-Mail

shutterstock_60843100Gegenwärtig leben etwa sieben Milliarden Menschen mehr oder weniger gut von dem, was die Landwirtschaft weltweit produziert. Sie nutzt dafür etwa 38 Prozent der Erdoberfläche. Der Energieverbrauch in der Landwirtschaft trägt mit etwa 14 Prozent zu den weltweiten CO2-Emissionen bei. Im Jahr 2050 werden nach Schätzungen der Vereinten Nationen knapp zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben, und für ihre Ernährung wird voraussichtlich die Hälfte der Erdbodens genutzt werden. Dabei sind die Ernährungsgewohnheiten der Menschen je nach Region und Kultur sehr verschieden. In manchen Weltgegenden sind Weizenprodukte ein Hauptnahrungsmittel, in anderen ist es Reis.

Ein Trend ist jedoch weltweit zu beobachten: der Konsum von Fleisch hat in den 25 Jahren seit 1980 durchschnittlich um ein Viertel pro Kopf zugenommen. Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen dem Wachsen des Wohlstands in einem Land und dem Fleischverbrauch. Wem es besser geht, der will mehr Fleisch verzehren.

fleischkonsum1980 aß der Durchschnittsweltbürger pro Jahr 30 Kilogramm Fleisch, 2005 waren es über 40 kg. Die Gesamtbevölkerung vermehrte sich von 4,5 auf sechs Milliarden Menschen, und die Fleischproduktion wurde auf rund 240 Millionen Tonnen fast verdoppelt. Bis 2050 wird eine weitere Steigerung auf 465 Millionen Tonnen erwartet, dann werden voraussichtlich zehn Milliarden Menschen den Planeten bevölkern.
Spitzenreiter im Fleichverbrauch waren und sind die Industrieländer mit über 80 kg pro Kopf und Jahr, ein Wert der sich kaum ändert. Den höchsten Anteil an der Steigerung haben die aufstrebenden Schwellen- und Entwicklungsländer.

Doch der mit dem Wohlstand wachsende Konsum an tierischen Produkten, zu denen neben dem Fleisch auch Eier und Milchprodukte zählen, stellt die Welternährung vor große Schwierigkeiten. Denn um eine Kalorie Tierprodukt herzustellen, müssen an das Vieh zwischen fünf und zehn Getreide-Kalorien verfüttert werden. Bei Eiern sind es vier, bei Milch fünf und bei Rindfleisch zehn Mal mehr pflanzliche Energieeinheiten, die in die Viehhaltung investiert werden, als an tierischer Nahrungsenergie erzeugt wird. Die Fleischproduktion führt somit zu einer massiven Vernichtung von Ernährungskapazitäten.


Inzwischen wird wegen der wachsenden Fleisch-Nachfrage etwa die Hälfte der Welt-Getreideernte als Tierfutter eingesetzt. Zwei Drittel der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzfläche dienen der Viehhaltung. Das verknappt das Angebot pflanzlicher Nahrung und steigert deren Preise derart, dass rund eine Milliarde Menschen sich ihr „täglich Brot“ nicht leisten können und hungern müssen – von Fleischmahlzeiten wagen sie sowieso kaum zu träumen.

Die Welternäh- rungsorganisation FAO rechnet damit, dass auch des- wegen bis zum Jahr 2020 die Getreidepreise um 40 Prozent steigen werden. Umgekehrt gilt: Würde weniger Fleisch nach- gefragt und erzeugt, sänken die Getreidepreise auf dem Weltmarkt. Auch die Armen wären dann eher in der Lage, ihr Essen zu bezahlen. Nur am Rand erwähnt sei, dass zunehmend große landwirtschaftliche Flächen für den Anbau von Bio-Kraftstoffen genutzt werden. Hier wächst eine Konkurrenz zwischen Tank und Teller, die für die Welternährung fatal sein kann. Überspitzt gesagt, müssen die Armen der Welt auf ein ausreichendes Essen verzichten, damit die Reichen ihre Brötchen beim Bäcker mit dem Sprit fressenden Geländewagen holen können.

Zuviel Fleisch zerstört die Umwelt

Industrielle HühnermastDoch die Fleisch- und Milchproduktion lohnt sich offenbar, und so wird sie stetig ausgebaut. Für den Anbau der wichtigen Futtermittel Soja und Mais werden beispielsweise Teile des tropischen Regenwalds in Brasilien geopfert. Dort verdoppelte sich der Pro-Kopf-Fleischkonsum in 30 Jahren und hat heute das Niveau der Industrieländer erreicht.
Monokulturen besonders ertragreicher Futtermittelsorten, darunter auch genveränderte Arten, konkurrieren überall mit Getreide, das für den Menschen bestimmt ist und verdrängen zudem die Vielfalt der Feldfrüchte.

Die bäuerliche Aufzucht des Viehs und eine kleinflächige Beweidung sind inzwischen zur Ausnahme geworden. Gigantische Ställe, automatisierte Fütterung und Intensivmast haben sie weitgehend verdrängt, was auch der Qualität des Fleisches nicht gut tut.

Die Überfischung der Weltmeere mit knapp 100 Millionen Tonnen Fisch hat bereits ein so bedrohliches Ausmaß erreicht, dass die ersten Arten von der Ausrottung bedroht sind. Das maritime Ökosystem droht zu kollabieren und schon bald könnten Schäden entstehen, die nicht mehr rückgängig gemacht werden können.

Rinder, Schafe und Ziegen stoßen in erheblichem Ausmaß Methangase aus, das 23-mal klimaschädlicher ist als Kohlendioxid. Sie sind für ein Drittel des weltweiten Ausstoßes des Gases verantwortlich.

Weitere Fakten

  • Die Produktion eins Kilogramms Rindfleisch belastet die Atmosphäre wie eine Autofahrt von 250 Kilometern, errechneten japanische Wissenschaftler, nämlich mit dem Wert von 36 Kilogramm Kohlendioxid.
  • 70 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs werden für landwirtschaftliche Zwecke genutzt.
  • Das in der Gülle aus der industriellen Massentierhaltung enthaltende Nitrat verschmutzt das Grundwasser erheblich und verwandelt sich zusätzlich noch in das krebserregende Nitrit.
  • 20 Prozent der weltweiten Weideflächen sind durch Überweidung, Bodenerosion und Verdichtung unbrauchbar geworden.
  • Die belgische Stadt Gent hat errechnet, dass der CO2-Gegenwert von 18.000 PKW vermieden werden kann, wenn alle 240.000 Einwohner an einem Tag in der Woche auf Fleisch verzichten.

Aktion „Veggiday“ – Klimaschutz auf dem Teller


Als erste deutsche Stadt führt Bremen seit 2010 die Aktion „Veggiday“ („vegetarischer Tag“) durch. Viele andere Orte greifen diese einfach Idee auf: An einem Tag in der Woche sollen möglichst viele Menschen auf Fleisch verzichten. Jeden Donnerstag bieten viele Bremer Kantinen, Restaurants, Kitas und Schulen nur Vegetarisches an, und auch die Privathaushalte sind aufgefordert, sich fleischlos zu ernähren. Die Schirmherrschaft für das Projekt hat Bürgermeister Jens Böhrnsen übernommen: "Das Klimaprojekt Veggiday ist langfristig angelegt und will vorbildlich auch für andere Städte sein. Jeder kann sich leicht beteiligen."
"Wir sind nicht angetreten, Fleisch zu verbieten,“ sagt Christiane Schwalbe, Initiatorin und Leiterin des Projekts, "es geht uns viel mehr darum, beim Essen genauer hinzusehen, sich auf regionale Produkte zu besinnen, am Donnerstag auf Steak, Schnitzel, Bratwurst oder Schinken zu verzichten, und damit nicht nur die persönliche CO2-Bilanz zu verbessern, sondern dem Klima insgesamt zu helfen." Ihr Tipp für die anderen Tage: Wenn Fleisch, dann aus ökologischer Landwirtschaft, die bis zu 30 Prozent weniger Treibhausgase verursacht als konventionelle.

"Bio-Lebensmittel sind klimafreundlicher als konventionell hergestellte Nahrungsmittel, da sie ohne künstlichen Dünger und Pflanzenschutzmittel auskommen, die in der Herstellung besonders viel Energie verbrauchen“, erklärt Dr. Cornelis Rasmussen vom Bremer Energie-Konsens, "die goldenen Regeln für CO2-leichte Ernährung lauten: Alles zu seiner Zeit, am liebsten aus der Region und möglichst viel Bio. Der Veggiday ist eine gute Gelegenheit, unsere Ernährungsgewohnheiten zu überdenken."
Das heißt für ihn auch: Verbrauch von Produkten, die wir im Winter in unserer Region bekommen, statt Gewächshaus-Erdbeeren aus Südspanien oder Spargel aus Peru zu verzehren. Es geht ihm auch um Rückbesinnung - auf den guten alten Sonntagsbraten beispielsweise, den unsere Großmütter als etwas Besonderes auf den Tisch brachten.
"Etwas mehr Bescheidenheit würde der Gesundheit und dem Klima gut tun,“ so Christiane Schwalbe, "wir sind deshalb weder Moralapostel, noch Gutmenschen, die mit erhobenem Zeigefinger herumrennen und Vorschriften machen. Aber immer nur zu nörgeln und mit dem Finger auf die Politik zu zeigen, hilft nicht weiter. Man muss schon selbst aktiv werden. Viele kleine Schritte können eine große Wirkung haben im Klimaschutz".