Entwicklung
Die Millenniums-Entwicklungsziele der UNO Drucken E-Mail

Zie Zenrale der Vereinten NationenIm September des Jahres 2000 unterschrieb der damalige Präsident Joseph Estrada als einer von 189 Staatsoberhäuptern die Millenniums- (Jahrtausend-) Entwicklungsziele der Vereinten Nationen (United Nations Organisation; UNO). Nachdem seit den 1980er Jahren kaum Fortschritte bei der Armutsbekämpfung gemacht wurden, sondern viele Nationen eher Rückschläge in der Bekämpfung machten, einigten sich die Politiker/innen im Jahr 2000 auf acht Ziele, die sie bis zum Jahr 2015 gemeinsam erreichen wollten. Die Zusammenkunft in New York war der bis dahin größte Gipfel, den die UNO veranstaltet hatte. Noch niemals zuvor waren so viele Staaten und ihre Regierungen vertreten und einigten sich über das grundlegende Menschheits-Ziel einer effektiven Armutsbekämpfung.

 

Im Gegensatz zu vorherigen Programmen, verknüpft der Beschluss an die Millenniums-Entwicklungsziele konkrete Abmachungen. An das erste Ziel, die Bekämpfung von extremer Armut und Hunger, ist das Ziel gebunden, den Anteil der Menschen zu halbieren, die zwischen 1990 und dem Jahr 2015 weniger als einen Dollar, später 1,25 Dollar, täglich zum Leben zur Verfügung haben. Darüber hinaus möchte die UN die Anzahl der Menschen halbieren, die Hunger leiden. Unter dem zweiten Millenniumsziel nahmen sich die Politiker/innen vor, jedem Kind, egal ob ein Mädchen oder Junge, bis zum Jahr 2015 eine grundlegende Schulbildung zu ermöglichen. Diese Ziele sollten sowohl weltweit, aber auch in jedem einzelnen Land erreicht werden.

Messbare Ziele

Alle diese Ziele bekamen Indikatoren, also berechenbare Vorgaben, mit denen man den Erfolg der jeweiligen Regierungen messen kann. Die deutsche Bundesregierung verpflichtete sich beispielsweise für das Ziel 8, den Etat für die Entwicklungszusammenarbeit auf 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens anzuheben. Doch der zuständige Minister, Dirk Niebel (FDP), musste wiederholt eingestehen, dass Deutschland seine Versprechen nicht einhalten wird. Im Jahr 2010 lag der Anteil nur bei 0,4 Prozent. Es bleibt fraglich, ob er bis 2015 die angekündigte Höhe erreichen wird.

Ebenfalls sorgen deutsche, europäische und US-amerikanische Subventionen für landwirtschaftliche Produkte zu einem Verdrängungswettbewerb auf dem Weltmarkt. So können US-amerikanische Reisproduzent/innen zum Beispiel den Reis billiger verkaufen, als sie ihn produzieren. Das geht nur, weil sie Geld vom Staat als Unterstützung bekommen. Wenn Kleinbauern und –bäuerinnen in Staaten des globalen Südens teurer produzieren, können sie ihren Reis nicht mehr verkaufen und müssen ihre Betriebe schließen. Die meisten hungernden Menschen, auch in den Philippinen, leben auf dem Land.

Junge mit Lebensmitteln

Die Philippinen

Die Fortschritte in den Philippinen bei der Erreichung der Millenniumsziele sind leider gering. Im Jahr 1991 waren 45,3 Prozent der Menschen arm, im Jahr 2006 immer noch 33 Prozent. Das hört sich positiv an. Es bedeutet aber aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums in absoluten Zahlen, dass in den Philippinen sowohl in den 1990er Jahren als auch heute um die 29 Millionen Menschen in extremer Armut leben. Sie verfügen pro Tag über weniger Geld als 1,25 Dollar. Die Wirtschaftskrise im Jahr 2008, bei der viele Filipin@s ihren Job verloren haben, hat die Zahl wahrscheinlich noch erhöht.

Darüber hinaus arbeiten über zehn Millionen Filipin@s im Ausland, um sich und ihren Familien eine Existenz zu ermöglichen. Die meisten von ihnen arbeiten in den asiatischen Nachbarländern wie Singapur, China (v.a. Hongkong) und Japan, im Nahen Osten und in den USA. Sie tragen mit Rücküberweisungen von Geld und Gütern in die Philippinen maßgeblich dazu bei, dass das Land nicht noch stärker von Armut und Hunger betroffen ist.

Die Gründe für den Stillstand in der Armutsbekämpfung sind vielfältig. Walden Bello, Ökonom und Träger des Alternativen Nobelpreises, gibt für die Versäumnisse unter anderem der Korruption der letzten Regierung die Schuld. Unter Präsidentin Gloria M. Arroyo flossen von 2001 bis 2010 viele Staatseinnahmen in die Kassen von Privatpersonen, allen voran von mächtigen Politiker/innen. Zusätzlich war das Land von der Nahrungsmittelkrise im Jahr 2008 stark betroffen, denn die Philippinen müssen ihr Grundnahrungsmittel Reis zu großen Mengen importieren. Die Regierung hat es jahrelang versäumt, den eigenen Bauern und Bäuerinnen Unterstützung zukommen zu lassen. So ist die Landreform, die Ende der 1980er Jahre beschlossen worden war, niemals konsequent umgesetzt worden. Viele Bauern und Bäuerinnen warten noch heute auf ein Stück Land, mit dem sie ihren Lebensunterhalt absichern können. Stattdessen müssen sie auf Feldern von Großgrundbesitzer/innen arbeiten und bekommen häufig weit weniger als zum Leben nötig ist. Viele Familien können es sich kaum leisten, ihre Kinder auf Schulen zu schicken. Die Großgrundbesitzer/innen leben hingegen sehr gut im Status Quo und investieren nur wenig in Infrastruktur.

Tut der Staat genug?

Durch mangelnde Unterstützung vom Staat und mangelnde private Investitionen, sowie einen ungerechten Welthandel, der den mächtigen Nationen und deren Industrie Vorteile verschafft, sind die Philippinen mittlerweile der weltweit größte Importeur von Reis. Als die Preise für Reis sich im Jahr 2008 fast verdoppelten, hätten viele Arme sich ihr tägliches überlebensnotwendiges Essen ohne Hilfe vom Staat nicht mehr leisten können. Walden Bello befürwortet daher auch eine Veränderung im globalen Handel. Anstatt ungehinderten Handel zur erleichtern, der die BäuerInnen schädigt, fordert er: „Wir müssen den globalen Markt stärker kontrollieren.“

Doch nicht nur bei der Armutsbekämpfung haben die Philippinen Probleme bei der Erreichung der Jahrtausend-Ziele. Die Müttersterblichkeit ist seit Jahren auf einem vergleichsweise hohen Niveau. So sind zum Beispiel Abtreibungen verboten. Dennoch schätzen Organisationen, dass alleine im Jahr 2008 eine halbe Million illegale Abtreibungen praktiziert worden sind. 90.000 Frauen hatten im Anschluss Komplikationen, 1.000 Frauen starben. Doch ein Gesetz, das Abtreibungen unter bestimmten Bedingungen erlauben würde, zum Beispiel wenn das Leben der Mutter bei einer Geburt in Gefahr ist, wird von der katholischen Kirche bekämpft. Die politisch sehr einflussreiche Kirche behauptet, das Gesetz würde Abtreibungen generell legalisieren. Der Protest ist einer der Hauptgründe, warum das Gesetz, die so genannte „Reproduction Health Bill“, noch nicht umgesetzt worden ist. Mit dieser Haltung blockiert sie auch sexuelle Aufklärungsarbeit an Schulen, die nicht nur ungewollte Schwangerschaften verhindern, sondern auch bei der Bekämpfung der Verbreitung von HIV/Aids helfen soll.

Große Erwartungen richten sich auf den neuen Präsidenten. Der im Jahr 2010 gewählte Noynoy Aquino wird hoffentlich Fortschritte im Bereich der Armutsbekämpfung und den anderen Millenniumszielen erreichen können, so der allgemeine Tenor in der Bevölkerung. Seine Amtszeit endet 2016, man wird ihn am Erreichen der UNO-Ziele schon im Jahr 2015 messen können.

Autor: Michael Reckordt