Entwicklung
PREDA: Kinderrechte Drucken E-Mail

Kinder im Gefängnis

Gefängniskinder

 

Der 13-jährige Boboy hatte den ganzen Tag noch nichts gegessen. Wie so oft hatte er stumm vor dem Eingang des Einkaufszentrums in Manila gebettelt. Aber heute hatte er Pech und bekam nichts. In seiner Verzweiflung schmuggelte er sich an den Wachleuten vorbei und sprach Passanten an – das war verboten. Ein Ladenbesitzer rief den Sicherheitsdienst und Boboy wurde ins Stadtgefängnis gebracht. Ohne viel Federlesens wurde er eingesperrt und erst nach vier Monaten wieder freigelassen – einen Richter oder Anwalt hat er nicht gesehen. Die Zeit im Gefängnis war für Boboy furchtbar. Er musste viel Gewalt über sich ergehen lassen, von erwachsenen Mitgefangenen wie von Wärtern. Er schlief auf dem nackten Beton und wurde fast nie satt.

Boboy ist kein Einzelfall. Schätzungsweise eine Million Kinder in aller Welt sind im Gefängnis, besonders in Entwicklungsländern und oft unter grauenhaften Umständen. Die wenigsten sind inhaftiert, weil sie schwere Verbrechen begangen hätten. Meist sind es Bagatellen, die empfindlich bestraft werden. Wenn Straßenkinder stehlen, um zu überleben. Wenn sie betteln, wo es verboten wurde. Wenn sie aus Verzweiflung Klebstoff schnüffeln oder andere Drogen nehmen.
Boboys Entlassung aus dem Knast hat PREDA bewirkt. Die engagierten Sozialarbeiter des „Jail Rescue Teams“, die ihn dort gefunden hatten, konnten ihn nach viel Papierkrieg mit in das neue Wohnzentrum nehmen. Der Junge blühte dort auf, er geht jetzt zur Schule, macht bei der Theatergruppe mit. Seine schreckliche Gefängniszeit verarbeitet er nach und nach mit Hilfe einer Therapie.

JoanneMit Sozialarbeiterin Joanne fuhr er seit langem erstmals wieder zu den Eltern. Es sind sehr arme Leute, sie leben als Abfallsammler. Gemeinsam besprachen sie Boboys Zukunft. Er soll weiterhin bei PREDA leben, damit er zur Schule gehen und einen Beruf lernen kann. Das könnten die Eltern ihm niemals bieten. PREDA unterstützt Boboys Familie und gibt ihr einen kleinen Kredit. Davon können sie in den Zwischenhandel von Recyclingstoffen einsteigen, etwas mehr verdienen und Boboys jüngere Geschwister besser durchbringen. Seine Eltern wird Boboy jetzt öfter sehen. Viermal im Jahr werden sie ihn in Olongapo besuchen kommen, auf Einladung der engagierten Kinderschützer, und manchmal wird auch er zu ihnen fahren.

Mädchen - ausgebeutet und missbraucht

Im Mädchenschutzprogramm von PREDA lebt Len-Len, 16. Vormittags geht sie in die Schule, nachmittags macht sie in PREDAs Küche eine Ausbildung. Vor zwei Jahren noch musste sie in einer Bar als Prostituierte anschaffen, konnte nirgends anders hin. Sie tanzte auf einer Bühne und für ein paar Euro wurde sie an ausländische Touristen und einheimische Männer vermietet. Das meiste Geld behielt die Barbesitzerin. Len-Len war zuvor von zu Hause weggelaufen, sie hielt den andauernden Streit und das Grabschen ihres Stiefvaters nicht mehr aus. Aus ihrem kleinen Dorf ging sie in die Stadt, wo sie niemanden kannte. Auf der Straße wurde sie angesprochen, ob sie nicht kellnern wolle – die Wirklichkeit sah viel brutaler aus.
Marlyn, 29, ist Sozialarbeiterin bei PREDA. Als sie in Len-Lens Alter war, ging es ihr ähnlich. Auch sie war Opfer der philippinischen Sexindustrie, die immer neue Mädchen als Nachschub für die Kunden sucht.

Schon Marlyn wurde durch PREDA aus der Prostitution gerettet und erhielt unverhofft sogar Bekanntheit in Deutschland: Ihre Leidens-Geschichte wurde Grundlage für einen Tatort-Krimi. Marlyn wurde selbst Sozialarbeiterin und hilft nun Mädchen wie Len-Len. Regelmäßig besuchen Marlyn und ihre Kollegen undercover die Bars im Rotlichtmilieu. Sie sprechen unauffällig Prostituierte an, von denen sie vermuten, dass sie noch minderjährig sind. In der Bar tauschen sie zunächst nur die Handy-Nummern aus, um sich später zu verabreden. Bei Besuchen im Schnellrestaurant freundet Marlyn sich gezielt mit den Mädchen an. Erst nach mehreren Treffen, wenn die sexuell ausgebeuteten Mädchen zu ihr Vertrauen gefunden haben, gibt sie ihre wahre Identität preis. Sie bietet ihnen an, das Rotlichtmilieu zu verlassen und bei PREDA zu leben. Etliche Mädchen nehmen diese Chance an, manche aber sind schon so abgestumpft, dass das Hilfsangebot zu spät kommt. Manche träumen davon, von einem Touristen mit ins Ausland genommen zu werden. Oder ihnen ist ihr kleiner Anteil am Sex-Geschäft wichtiger als Bildung und eine Zukunft in Würde.

JoebelleLen-Len war noch wach und selbstbewusst genug, die Möglichkeiten zu ergreifen, die Marlyn ihr bot. Mit professioneller Hilfe bewältigt sie die vielen Demütigungen und Erniedrigungen, die sie im Sex-Business erfahren musste. Sie ist eine gute Schülerin, ist selbstbewusst geworden, und weiß schon was sie später einmal machen möchte: Sie möchte Köchin werden und ein eigenes Restaurant gründen. Erste Erfahrung sammelt sie schon jetzt in der Großküche von PREDA.

Neben dieser Arbeit für die Rehabilitierung setzt PREDA sich auch öffentlich für die Rechte von Kindern ein. Die Organisation ermittelt und verfolgt Kinderschänder und bringt sie vor Gericht.

www.preda.org