Umwelt
Bergbau in den Philippinen Drucken E-Mail

umwelt_bergbau_1Die Philippinen gehören zu den Ländern, die als „reich an Rohstoffen“ gelten. Es wird vermutet, dass unter neun von 30 Millionen Hektar Land Mineralvorkommen lagern. Darunter sind große Mengen an Gold, Kupfer, Chromit, Nickel, Kohle, Eisen, Silber, Platin, Palladium und Uran. Einige Lagerstätten gehören zu den größten der Welt, wie zum Beispiel die Lagerstätte für Gold und Kupfer in Tampakan, einer kleinen Gemeinde im Südwesten der Insel Mindanao. Dort befindet sich eines der zehn weltweit größten Vorkommen an Kupfer und das größte in Südostasien. 2,2 Milliarden Tonnen an Kupfer werden dort vermutet. Nach aktuellen Plänen soll der Abbau im Jahr 2016 starten und jährlich 340.000 Tonnen Kupfer und 350.000 Unzen (eine Unze entspricht 28,35 Gramm) Gold gefördert werden.

 

Wenn auch unter fast einem Drittel der Fläche Rohstoffe vermutet werden, wird momentan nur auf ca. 1,5 Prozent schon Bergbau betrieben. Zum Bruttoinlandsprodukt tragen die Einnahmen aus dem Bergbau nahezu konstant nur zu 1,7 Prozent bei (2005 – 2008). Obwohl vor der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise den Behörden fast 2.500 Anträge für Abbaugenehmigungen und Erkundungsbohrungen vorlagen, sind viele wegen der Krise nicht realisiert worden. Denn durch die Krise waren auch die Preise für einige Rohstoffe stark gesunken, was einen Abbau weniger lukrativ macht. Andere Mineralien, insbesondere das Edelmetall Gold verzeichnet allerdings einen enormen Wertzuwachs.
Auf den Philippinen leben viele Menschen vom Bergbau. Im Jahr 2000 waren 400.000 Menschen im Bergbau beschäftigt.  200.000 bis 300.000 Menschen arbeiten als so genannte Small Scale Miner.

Small Scale Mining sind kleine Bergbauunternehmungen, in denen weniger als 40 Personen arbeiten, die weniger als 1,5 Millionen US-Dollar an Wert schöpfen und weniger als 200 Tonnen pro Tag abbauen. Small Scale Mining ist im Gegensatz zu Large Scale Mining, dem so genannten Großbergbau, nur wenige Monate oder Jahre in einer Region aktiv.

 Eines der lukrativsten Bergbaugebiete liegt in Tampakan und den angrenzenden Gemeinden. Insgesamt umfasst das Gebiet über 27.000 Hektar, die sich in den Provinzen South Cotabato, Sarangani, Sultan Kudarat und Davao del Sur befinden. Schon in den 1990er Jahre kaufte das australische Unternehmen  „Western Mining Corporation“ (WMC) das Recht, Bergbau in der Region zu betreiben. WMC nahm zwar einige Probebohrungen vor, doch mit dem eigentlichen Abbau begann das Unternehmen nicht. Stattdessen verkaufte es die Rechtstitel an das philippinische Unternehmen „Sagittarius Mines Inc.“ (SMI). Seit 2007 steht SMI  unter der Kontrolle des Schweizer Bergbauunternehmen „Xstrata“ steht. Das Schweizer Unternehmen hat somit eine Lizenz zum Bergbau erworben, die eigentlich für ein australisches Unternehmen ausgestellt worden ist. Aber Xstrata ist sehr interessiert an dem Projekt und hat verkündet, dass sie insgesamt über zwei Milliarden Euro für die Entwicklung des Bergbau-Gebietes investieren wollen.

umwelt_bergbau_2Für viele Menschen, die in den rohstoffreichen Regionen der Philippinen leben, hat der Bergbau zwei Seiten. Einerseits entstehen durch ihn viele Arbeitsplätze, auf der anderen Seite bedroht er die Lebenswelt vieler Menschen, die in den Bergbauregionen leben. Viele der Rohstoffe werden in entlegenen Gegenden gefunden. Die Familien, die in diesen Gebieten leben, sind häufig Mitglieder von indigenen Gemeinschaften und leben von der Land- und Viehwirtschaft. Viele indigene Gemeinschaften sind von ihren eigentlich angestammten Territorien im Laufe der letzten Jahrzehnte und Jahrhunderte verdrängt worden. Aus Mangel an Alternativen wichen sie zum Teil in die Bergregionen aus, um ihre Kulturen aufrecht zu erhalten und weiterhin mit Land- und Viehwirtschaft überleben zu können.

Spätestens zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die industrielle Produktion immer mehr Rohstoffe benötigte, wurden die Bodenschätze der Philippinen verstärkt ausgebeutet. Der älteste philippinische Bergbaukonzern „Lepanto“ schürft schon seit den 1930er Jahren im Norden der Philippinen, in der „Cordillera Region“, nach Gold und anderen Rohstoffen.
Doch bis in die Mitte der 90er Jahre spielte der Bergbau für die  philippinische Wirtschaft kaum eine  Rolle. Das änderte sich 1995. Der damalige Präsident Fidel Ramos unterzeichnete mit dem sogenannten „Philippinen Mining Act of 1995“ das philippinische Bergbaugesetz. Die philippinische Regierung ging dazu über, Bergbau stärker zu fördern, um ausländische Unternehmen und somit Investitionen ins Land zu holen. Wenn ausländische Unternehmen in den Philippinen investieren, so das Gesetz, genießen sie Steuerfreiheit von fünf bis zu zehn Jahren und besitzen die Abbauregion  zu 100 Prozent. Obwohl 100-prozentiger Landbesitz nach der Verfassung eigentlich nur philippinischen Konzernen erlaubt ist, entschied der Oberste Gerichtshof der Philippinen im Jahr 2004 zu Gunsten der Bergbauindustrie. Die ausländischen Bergbaukonzerne bekommen eine Investitionssicherheit über 25 Jahre, dürfen Maschinen und Werkzeuge zollfrei importieren und erhalten weitere Rechte, wie zum Beispiel die freie Nutzung von Wasser und Wäldern.

Diese Unternehmen konkurrieren nun mit den in den Bergbauregionen lebenden indigenen Völkern und den dort lebenden Menschen um die Berge, das Wasser und die Wälder. Fünf von den neun Millionen als „rohstoffreich“ bezeichneten Hektar Land liegen auf den Gebieten, die heute den indigenen Gemeinschaften gehören. Das führt nicht selten zu Konflikten zwischen den Bergbaukonzernen, die Rohstoffe abbauen und mit dem Verkauf Gewinne erzielen wollen und den Indigenen auf der anderen Seite, die diese Ländereien als Wohnorte, für den Anbau von Mais, Reis, Bananen und anderen landwirtschaftlichen Nutzpflanzen sowie für religiöse Zeremonien nutzen. Zudem sind viele Berge für indigene Gemeinschaften heilig, weil sie ihre Ahnen dort begraben haben oder weil sie dort andere Rituale durchführen.

Die Bergbaukonzerne kennen die Bedeutung der Berge für die indigene Bevölkerung der Philippinen. Mit Geld versuchen sie, die Probleme zu lösen. Sie versprechen den Indigenen  zum Beispiel neue Häuser, die dann allerdings entfernt von den bisherigen Wohnorten gebaut werden und häufig einen geringeren Lebensstandard bieten. Viele der indigenen Gemeinschaften sind zum Beispiel gewöhnt, Wasser umsonst aus den Flüssen zu bekommen. Nun sollen sie für Trinkwasser aus Leitungen bezahlen.

umwelt_bergbau_4Innerhalb der indigenen Gemeinschaften herrscht Uneinigkeit über die Frage, ob man Bergbau zulassen soll, was mit den Einkünften geschehen soll und welche Alternativen sich für die indigenen Gemeinschaften ergeben. Um die Indigenen besser zu schützen und ihre Rechte zu wahren, müssen Bergbauunternehmen die Indigenen Gemeinschaften um Zustimmung bitten. Diese Zustimmung heißt „Free, Prior, Informed Consent“ (FPIC), da die Indigenen frei, zeitlich vor dem eigentlichen Abbau und neutral über Chancen und Risiken informiert werden und einstimmig ihr „Ja“ zum Bergbau geben müssen. Streng genommen bedeutet dies, wenn nur eine einzige Person aus der indigenen Gemeinschaft gegen den Bergbau stimmt, darf dieser nicht  genehmigt werden.

umwelt_bergbau_5Da eine Ablehnung jedoch den Zielen der Bergbauunternehmen widerspricht, unterwandern viele Unternehmen und Behörden den Konsens. Das geschieht auf unterschiedliche Arten und Weisen. Erstens informieren nicht alle Unternehmen über Risiken. Zum Beispiel verharmlosen sie den Bergbau, verschweigen, dass die Menschen umgesiedelt oder dass ganze Berge abgetragen werden. Zweitens versprechen einige Unternehmen Dinge, die sie nicht halten. Zum Beispiel versprechen sie Jobs für alle Indigenen aus der Gemeinschaft. Doch da die meisten Indigenen keinen höheren Schulabschluss haben, können sie nur einfachere Arbeiten ausführen. Diese einfachen Tätigkeiten sind nur am Anfang der Erkundungsbohrungen bedeutend, spätestens mit dem Beginn des Abbaus werden ArbeiterInnen benötigt, die eine Ausbildung an Geräten und Maschinen erhalten haben. Drittens versuchen die Unternehmen sich die Zustimmung zu erkaufen. Sie geben sehr viel Geld in die Gemeinschaften, das selten nachhaltig genutzt wird, sondern häufig für Konsumprodukte wie Fernseher, Handys und andere Dinge schnell ausgegeben wird.

Was haben wir mit dieser Situation zu tun?

Auch deutsche Unternehmen fördern auf den Philippinen Rohstoffe und exportieren diese direkt nach Deutschland. Das trifft allerdings nur für wenige Rohstoffe und in geringen Mengen zu. Andere Rohstoffe, wie bestimmte  Metalle werden in großen Mengen als Fertig- oder Halbfertigprodukte nach Deutschland importiert, beispielsweise in Form von Computerfestplatten, MP3-Playern und Handys. Auf den Philippinen werden sehr viele dieser elektronischen Güter gefertigt. So kommen philippinische Rohstoffe wie Gold oder Platin bereits weiterverarbeitet nach Deutschland.
Neben deutschen Firmen fördern deutsche Banken die philippinische Bergbauindustrie mit Krediten. So sind deutsche Banken im internationalen Rohstoffhandel und in der Unterstützung von Rohstoffabbau aktiv.

Warum wollen philippinische Bergbau-Unternehmen Kredite von deutschen Banken?

Das liegt daran, dass Bergbau sehr teuer ist. Als erstes muss das Unternehmen studieren, wo sich Rohstoffe befinden könnten. Wenn sie beispielsweise vermuten, dass an einer Stelle Goldvorkommen sind, müssen Anträge bei Behörden stellen, um die Erlaubnis für Probebohrungen zu bekommen. Die Probebohrungen kosten ebenfalls viel Geld. Die Konzerne müssen die ArbeiterInnen bezahlen, den Menschen denen das Land gehört Entschädigung auszahlen, und die Proben analysieren.

Erst wenn sich herausstellt, dass der Bergbau sich rentiert, wenn also die erwarteten Einnahmen größer als die Ausgaben für den Abbau sind, kann es mit dem eigentlichen Bergbau losgehen. Dafür müssen wieder Ländereien gekauft werden. Die Menschen, die vorher auf dem Land gelebt haben, dort Häuser hatten und Landwirtschaft betrieben haben, müssen entschädigt werden. Zudem müssen schwere Maschinen angeschafft und ArbeiterInnen eingestellt werden. Diese müssen lange Tunnel graben oder ganze Berge abtragen, bevor sie an die Rohstoffe, Gold in diesem Beispiel, kommen können. Um das Gold aus dem Gestein zu lösen, werden Chemikalien genutzt, die ebenfalls angeschafft werden müssen. Weil diese Chemikalien meistens giftig sind, muss auch die Entsorgung sichergestellt werden. Im Goldbergbau wird Zyanid verwendet, ein sehr giftiger Stoff. Damit Zyanid im Anschluss nicht das Grundwasser und die Flüsse verseucht, aus denen die Menschen ihr Trinkwasser beziehen, sich waschen und ihre Felder bewässern, müssen die Abwässer geklärt werden und die giftigen Stoffe herausgefiltert werden. Darüber hinaus verbraucht Bergbau große Mengen an Wasser und Energie. Allein für ein Kilo Gold wird mehr als eine Million Kubikmeter Wasser verbraucht.
Bis das Bergbau-Unternehmen das erste Gold-Nugget verkauft hat, muss also eine Menge Geld investiert werden. Das lohnt sich nur, wenn man große Gewinne erwartet. Doch bis die Gewinne kommen und das Unternehmen das Gold verkaufen kann, brauchen sie Kredite. Das bedeutet die Banken leihen den Unternehmen das Geld, um all die Kosten bis zum Verkauf des ersten Goldes zu decken.
Um den Bergbau weiterhin betreiben zu können, suchen die philippinischen  Bergbauunternehmen in der ganzen Welt nach Banken, die ihnen Kredite geben. Neben  deutschen Banken finanzieren auch englische, US-amerikanische, niederländische und australische Banken die Bergbauindustrie auf den Philippinen.

umwelt_bergbau_6Ein Beispiel:

Die philippinische „Lepanto Consolidated Mining Company“  ist derzeit tätig beim Abbau der Goldvorkommen in Mankayan (Benguet, Luzon). Lepanto wird mit Krediten aus Deutschland  gefördert. So schloss das Unternehmen im Dezember 1998 ein Kreditabkommen unter anderem mit der Dresdner Bank (mittlerweile Teil der Commerzbank) über ein Kreditvolumen von gut 25 Mio. Euro ab. Im Jahr 2006 wurde ein Gold Delivery Agreement abgeschlossen, wodurch Lepanto weitere 11,4 Mio. Euro Kredit gewährt wird. Lepanto verpflichtet sich in dem Abkommen, 200 bis 250 Unzen Gold monatlich zur Rückzahlung des Kredites zu liefern.
Dabei ist der Bergbau von Lepanto umstritten. Die Chronologie der Umweltkatastrophen in Mankayan erstreckt sich mittlerweile über 70 Jahre und ist eng verbunden mit einem fehlenden Interesse des Konzerns gegenüber Umweltbelangen und der Sicherheit der Bevölkerung. Ende der 1960er Jahre musste die lokale Bevölkerung feststellen, dass das Land zunehmend unbrauchbar für Landwirtschaft wurde, da Lepanto zu dieser Zeit schon seit über drei Jahrzehnten Abwässer in den Flüssen der Region entsorgte. Seit Ende der 1970er Jahre vergifteten Abwässer nach Dammbrüchen mehrfach die Reisfelder. 1985 konstatierte die Bewohner Mankayans ein Verdorren von Pflanzen, Erkranken von Tieren, sowie Atemwegserkrankungen in der Bevölkerung. 1998 sanken Häuserreihen entlang der Aurora Street in Poblacion um drei Meter in die Tiefe. Im Juli 2006 zerstörten ein Erdrutsch und das massive Absinken des Bodens Häuser, Gärten und die Wasserversorgung. Ein Bewohner wurde begraben, das zweistöckige Schulgebäude sowie Teile der Schnellstraße wurden zerstört, 14 Hektar Land waren verwüstet. Im Juni 2009 kam es erneut zum Absinken des Erdbodens. Der lokale Gouverneur erklärte den Ausnahmezustand. Anfang Oktober desselben Jahres tötete ein Erdrutsch über 40 Bewohner. Seit Anfang 2010 ist das Unternehmen in finanziellen Problemen, sie können den ArbeiterInnen nicht mehr die vollen Löhne ausbezahlen.