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ReisfelderDie Philippinen sind ein Agrarland. Reis, Kokosnüsse, Mais, Zuckerrohr, Bananen, Ananas und Mangos sind die wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte.

Auf den Philippinen wird fast die Hälfte der gesamten Fläche für die Landwirtschaft genutzt. Knapp 40 von 100 Filipin@s arbeiten in der Landwirtschaft (zum Vergleich: In Deutschland sind es nur zwei von 100). Die Felder werden meistens per Hand bestellt und geerntet. Statt großer Traktoren verrichten Wasserbüffel die Zugarbeit beim Pflügen und beim Transport. Maschinen werden eher selten genutzt, denn sie sind für die meisten kleinen Farmer viel zu teuer.

BäuerInnen ohne Land

Nur der kleinere Teil der philippinischen BäuerInnen arbeitet auf eigenem Land. Große Teile des Landes befinden sich im Besitz weniger sehr einflussreicher Familien, den so genannten GroßgrundbesitzerInnen. Beispielsweise gehört der Familie des Präsidenten unter anderem die Zuckerrohrplantage „Hacienda Luisita", die drei mal so groß ist wie die deutsche Nordseeinsel Amrum und nördlich von Manila liegt. Für wenige Cent am Tag verrichten hier Menschen die harte Arbeit bei Anbau und Ernte von Zuckerrohr. 2004 wurden bei einem Streik mindestens 7 Menschen von Polizei und Armee erschossen.

Viele der großen Plantagen werden von PächterInnen bestellt. Sie müssen teilweise bis zu zwei Drittel ihrer Ernte an die GroßgrundbesitzerInnen abgeben. Das restliche Drittel bleibt den BäuerInnen selbst zum Überleben. Als besonders schwierig gestaltet sich ihre Ernährung, wenn Taifune oder Schädlinge die Ernte zerstören. Das Geld, das die BäuerInnen durch den Verkauf ihrer Ernte verdienen, reicht nur selten für das ganze Jahr. Kommen unerwartete Ausgaben auf sie zu, etwa wenn Arztrechnungen bezahlt werden müssen, sind sie auf Kredite angewiesen. Diese erhalten sie entweder von den GroßgrundbesitzerInnen oder von lokalen SaatguthändlerInnen. Dadurch entsteht eine große Abhängigkeit.

Die Abhängigkeit der PächterInnen von den GroßgrundbesitzerInnen hat eine lange Tradition und entwickelte sich schon während der spanischen Kolonialzeit. PächterInnen dienten ihren GroßgrundbesitzerInnen von der Geburt an bis zum Tod. Diese wiederum halfen aus, wenn beispielsweise jemand aus der Familie der PächterInnen erkrankte. Im Verlauf des letzten Jahrhunderts wurden die Philippinen immer stärker in den Weltmarkt integriert und somit gezwungen, die Landwirtschaft zu modernisieren und immer billiger zu produzieren. Die GroßgrundbesitzerInnen überließen die Verwaltung ihrer Plantagen strengen Aufsehern. Die Möglichkeiten für die BäuerInnen etwas anzubauen, was sie selber essen können (so genannte food crops), wurden immer weiter eingeschränkt zu Gunsten von Produkten, die gegen Geld vor allem ins Ausland verkauft werden können (so genannte cash crops).

Widerstand und Landreform

Seit der Kolonialisierung der Philippinen durch Spanien und die USA hat es bereits 400 Aufstände gegeben, die sich gegen die Ausbeutung und Unfreiheit der BäuerInnen und die ungerechte Landverteilung richteten. Auch heute noch gibt es bewaffneten Widerstand durch die kommunistische Rebellengruppe „New Peoples Army" (NPA).

Die BäuerInnenproteste haben dazu geführt, dass Gesetze zur Umverteilung des Landes verabschiedet wurden. Seit 1988 gibt es mit der Comprehensive Agrarian Reform (CARP), ein umfassende Reform, die besagt, dass das oben beschriebene Pachtverhältnis verboten ist. Stattdessen muss das Land auf die BäuerInnen aufgeteilt werden, so dass sie selber die EigentümerInnen über ihr Land sind. Nur wenn beide Seiten, GroßgrundbesitzerIn und BäuerIn, einverstanden sind, gibt es die theoretische Möglichkeit, dass weiter gepachtet wird, dann allerdings zu viel besseren Bedingungen für die BäuerInnen.

Bauer mit WasserbüffelDie GroßgrundbesitzerInnen können, wenn sie nicht freiwillig ihr Land verkaufen, sogar vom Staat enteignet werden. Sie erhalten dann eine Entschädigung von der Bank. Die BäuerInnen müssen das Land über viele Jahre bei der Bank abbezahlen. Die Landreform ist sehr wichtig, um der Armut im Land zu begegnen und den BäuerInnen ein Leben als freie BürgerInnen zu ermöglichen. Die GroßgrundbesitzerInnen haben sich ihr Land meistens nicht regulär gekauft. Es ist schon seit Generationen in Familienhand oder wurde sich durch Waffengewalt angeeignet. Häufig wurden auch Ländereien als Geschenk von den Kolonialherren oder philippinischen PolitikerInnen, zum Beispiel dem Diktator Marcos, an die mächtigen Familien abgegeben, damit sie Unterstützung von diesen erhalten.

Obwohl die Landreform seit über 20 Jahren existiert und bis 2014 verlängert wurde, sind noch längst nicht alle Ländereien verteilt. Bisher wurde überwiegend Land verteilt, das zuvor staatlich war. Ländereien aus Privatbesitz werden nur schleppend vergeben.

Die mächtigen GroßgrundbesitzerInnen haben häufig richtige Privatarmeen, um die BäuerInnen einzuschüchtern. Mancherorts werden sogar BeamtInnen, die die Reform unterstützen, ernsthaft bedroht. Anderenorts werden BäuerInnen, die ihr Land beantragen, verhaftet, nur weil die GroßgrundbesitzerIn ihnen angebliche Straftaten unterstellt, um sie zu zermürben.

Dort, wo KleinbäuerInnen bereits eigenes Land besitzen, sind die Probleme jedoch nicht gelöst. Da sie viel Geld für Düngemittel, Saatgut und andere Materialien zahlen und gleichzeitig ihr Land abbezahlen müssen, brauchen sie Bargeld. Sie müssen sich erneut verschulden. Ihr Land ist meist nur drei Hektar groß (ein ha sind 100 mal 100 Meter) und wird jetzt plötzlich zu einem richtigen Wirtschaftsunternehmen. Es steht in der Konkurrenz zu anderen und seine Leitung haben die zuvor unfreien BäuerInnen nie gelernt. Transportwege in den Philippinen sind lang und schlecht ausgebaut und bei der Vermarktung sind die BäuerInnen auf ZwischenhändlerInnen angewiesen, die die Preise bestimmen.

Exportfrüchte stillen den Hunger nicht

BananenGrundnahrungsmittel selbst anzubauen und zu nutzen, ist das Naheliegendste, wenn der Hunger bekämpft werden soll. Von der philippinischen Regierung wird jedoch eine ausfuhrorientierte statt eine selbstversorgende Landwirtschaft gefördert, obwohl die Philippinen nicht einmal genug Reis produzieren, um die eigene Bevölkerung zu ernähren. Mangos oder Ananas machen nicht satt, können aber zum Beispiel teuer nach Deutschland verkauft werden. Doch nur ein kleiner Teil des Verkaufspreises kommt bei den PlantagenarbeiterInnen an. Stattdessen bringt diese Art der Wirtschaft zwar Geld ins Land, was jedoch in den Händen der großen Firmen und ZwischenhändlerInnen verbleibt. Der Anbau für den Export wird nämlich verstärkt von großen Firmen übernommen, die ausreichend Geld für Maschinen und Lastwagen haben. Eine Alternative hierzu ist der Faire Handel, der den BäuerInnen faire Preise und soziale Prämien verspricht (siehe Kapitel zum Fairen Handel).

Knappes Land wird verschleudert

Auch ausländischen Investoren wird vermehrt Land zur Verfügung gestellt, dass eigentlich den Kleinbauern gehören müsste. So sind auch Staaten aus der Europäischen Union auf der Suche nach Flächen um langfristig Energiepflanzen wie Mais, Zuckerrohr oder Ölpalmen anzubauen. Teilweise soll sogar Getreide für die Bevölkerung des investierenden Landes, nicht aber die des Anbaulandes, produziert werden. Das nennt sich Land Grabbing. Unterstützt wird diese Praxis von der philippinischen Regierung. Sie hat eine eigene Firma gegründet, die nach Investoren sucht. Erklärtes Ziel ist, dass bis 2015 zweieinhalb Milliarden Euro von ausländischen Investoren im Bereich der industriellen Landwirtschaft investiert werden.

Für die überwiegend arme Landbevölkerung der Philippinen sollen so Arbeitsplätze geschaffen werden. Doch das dafür zur Verfügung stehende Land ist sehr knapp. Fläche, die landwirtschaftlich nutzbar ist, fällt eigentlich unter die Agrarreform und sollte an Kleinbauern verteilt werden und deren Ernährung sichern. Stattdessen wird darauf faktisch keinerlei Rücksicht mehr genommen, wenn sich ein ausländischer Investor gefunden hat. Beispielsweise wurden auf der Länderei Looc in der Provinz Batangas 10.000 LandarbeiterInnen und ihre Familien vertrieben, obwohl sie ihr Land schon bekommen hatten. Einem Bauunternehmen wurde nämlich gestattet, eine riesige Touristenanlage an der Küstenlandschaft zu bauen.

Vielfalt kann ernähren

Statt auf die so genannten food crops zur Ernährung der eigenen Bevölkerung setzt die philippinische Regierung auf so genannte cash crops, also auf die industrielle Landwirtschaft, in der sowohl Produkte als auch Preise vom Weltmarkt bestimmt werden und zum größten Teil aus den Philippinen heraus exportiert werden. Hier wird in Monokulturen viel von einer einzelnen Sorte produziert, die Plantagen sind sehr groß. Es werden Maschinen benötigt, Düngemittel und Pflanzenschutzmittel. Große Firmen werden als InvestorInnenn gebraucht, um die Produktionskosten zu decken.

Aber es gibt auch ganz andere Vorstellungen, wie Landwirtschaft aussehen soll. An der Umsetzung dieser arbeitet zum Beispiel die Organisation MASIPAG, ein Zusammenschluss aus BäuerInnen und WissenschaftlerInnen. Oberste Priorität hat hier, dass eine große Vielfalt von Obst, Gemüse und Reis angebaut wird, so dass die Bauernfamilie genug zu essen bekommt. Die Vermarktung ist erst einmal zweitrangig. Für den Anbau werden gezielt alte Sorten verwendet, die häufig schon fast in Vergessenheit geraten sind. Sie bringen zwar teilweise weniger Ertrag, kommen aber ohne Pflanzenschutzmittel oder Dünger aus. Das senkt die Kosten und die Produkte sind gesünder. Das Saatgut wird von den BäuerInnen gemeinschaftlich immer weiter gezüchtet und vermehrt. Für den Erwerb von Saatgut, Dünger und Pflanzenschutzmittel muss sich in dieser umweltfreundlichen Landwirtschaft also niemand verschulden (siehe dazu auch das Kapitel über Reis und Sortenvielfalt).

Literatur

  • Dannenberg, Janina; Lanfer, Anne; Richter, Johannes (2009): Criminalization of Human Rights Defenders in Agrarian Confict. Structural Considerations. In: Observer- a Journal on threatened Human Rights Defenders in the Philippines, Jg. 1, H. 1, S. 4–5. Online verfügbar unter http://www.ipon-philippines.org/fileadmin/user_upload/misc/Observer_Criminalizations_Number1-092009.pdf.
  • Dannenberg, Janina; Reese, Niklas (2006): Cashcrops statt Umverteilung. Landwirtschaft und Landreform. In: Reese, Niklas; Werning, Rainer (Hg.): Handbuch Philippinen. Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur: Horlemann, S. 97–104.
  • Dilger, Gergard (16.07.2010): Dreiecksgeschäft für Agrosprit. In: TAZ, 16.07.2010, S. 9.
  • Fuchs, Manfred (1993): Markt, Gewalt und Subsistenzproduktion. Bäuerliche Protestbewegungen gegen Modernisierung und Durchkapitalisierung der Agrarproduktion in den Philippinen. Münster, Hamburg: Lit (Südostasien, Bd. 2).
  • INWENT: Länderinformationsportal. P h i l i p p i n e n Seite 3: Wirtschaft & Entwicklung. Online verfügbar unter http://liportal.inwent.org/lis/?l=philipp, zuletzt geprüft am 17.07.2010.
  • Morales, N.J.C. (15.07.2010): AgriNurture planning September IPO. In: Business World, 15.07.2010. 
  • Oram, Julian A. (Hg.) (2003): Regaining the land. Lessons from farmers´experience with sustainable agriculture in the Philippines. London: Catholic Institute for International Relations.
  • Pesante News (12.09.2009): Landlordism in the Philippines. Hacienda Luisita as large as Makati and Pasig Cities combi. Online verfügbar unter http://la.indymedia.org/news/2009/09/230275.php, zuletzt aktualisiert am 12.09.2009, zuletzt geprüft am 17.06.2010.
  • Reese, Niklas; Werning, Rainer (Hg.) (2006): Handbuch Philippinen. Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur: Horlemann.
  • Yap, Emmanuel (2003): Introduction. In: Oram, Julian A. (Hg.): Regaining the land. Lessons from farmers´experience with sustainable agriculture in the Philippines. London: Catholic Institute for International Relations.

 

Autorin: Janina Dannenberg