Entwicklung
Die Migration von Filipinos rund um den Erdball Drucken E-Mail

„Nach einer grüneren Weide suchen" - Eine kurze Geschichte der Migration

 

Viele Philippinos arbeiten in aller Welt Die Auswanderung aus den Philippinen begann um das Jahr 1900, nachdem das Land zur amerikanischen Kolonie wurde. Private Anwerber suchten bis zum Zweiten Weltkrieg Farmarbeiter für die Ananas- und Zuckerrohrplantagen im US-Bundesstaat Hawaii. Verwandte dieser ersten Auswanderer-Welle und von Filipinos, die im Krieg in der US-Armee gekämpft hatten, folgten bis in die 60er Jahre in die Vereinigten Staaten. Seit 1915 wurde die Übersiedlung von Filipinos in die USA durch die dortigen Gesetze gefördert.

In den 70er Jahren wuchs weltweit stark die Nachfrage nach befristeten Arbeitern. Der Ölboom im Nahen Osten schuf zahlreiche Arbeitsmöglichkeiten für ausländische Arbeitskräfte und die philippinische Regierung zog daraus schnell einen Nutzen. 1974 verabschiedete sie das philippinische Arbeitsgesetz, das die Auswanderung von Arbeitskräften regelt und setzte eine staatliche Übersee-Beschäftigungs-Strategie in Kraft. Inzwischen sind Millionen Filipinos über die ganze Welt verstreut, die Arbeit annehmen, auch wenn sie unterhalb ihrer Qualifikation und ihres Könnens liegt. Die meisten Auslandsarbeiter sind in den asiatischen Ländern Hongkong, Singapur, Taiwan und Japan beschäftigt. Danach folgen der Nahe Osten und an dritter Stelle Europa, die Vereinigten Staaten und Afrika.

Warum gehen Filipinos ins Ausland?

Für die Migration von Filipinos ins Ausland gibt es unterschiedliche Ursachen. Manche verlassen das Land wegen der politischen Lage und aus Sicherheitsgründen. Das sind Bürger, die als „Staatsfeinde" bezeichnet werden, weil sie das Regierungssystem kritisieren und verändern wollen. Sie werden oft als Kommunisten abgestempelt und werden damit zum Ziel von Killer-Kommandos. Sie suchen in anderen Ländern vor allem Zuflucht und persönliche Sicherheit.

Andere Filipinos und Filipinas verlassen das Land aus familiären Gründen. Sie werden von anderen Familienmitgliedern ins Ausland nachgeholt, die bereits dort leben. Nach oft jahrelanger Trennung wollen sie wieder zusammen sein. Gleiches gilt für Verlobte, die ihren künftigen Ehepartnern ins Ausland folgen.

Aber die überwiegende Mehrheit der philippinischen Migranten geht aus wirtschaftlichen Gründen ins Ausland. Malou Alcid von der Migranten-Organisation „Kanlugan" meint: „Auf der anderen Seite ist das Gras immer grüner!" und erklärt damit, warum täglich über 2.000 Filipinos und Filipinas das Land verlassen.

Die Vereinten Nationen haben die Philippinen als ein „Land mit mittlerem Einkommen" eingestuft. Trotz des reichen und fruchtbaren Landes und der Naturschätze ist die Armut das große Problem der Philippinen. Die meisten Ländereien gehören wenigen Eigentümer-Familien und einer wachsenden Zahl von multinationalen Unternehmen. Sie werden als Plantagen, für Fabriken, Tagebau-Bergwerke und Unternehmensgrundstücke genutzt. Viele ärmere Menschen werden vertrieben und in entfernte Dörfer oder in Ballungsgebiete mit schlechter Infrastruktur umgesiedelt. Die Regierung ist nicht in der Lage, ihnen Arbeit zu geben, damit sie ihre Familien ernähren können. Viele Menschen sind daher gezwungen, das Land zu verlassen und im Ausland nach einem besseren Einkommen zu suchen. Wer sich entscheidet, im Land zu bleiben, muss oft Jobs mit schlechter Bezahlung und ohne Sozialversicherung annehmen.

Allein 2007 verließen über eine Million befristete Arbeitskräfte die Philippinen, um in mehr als 190 Ländern hauptsächlich als Fabrikarbeiter, Haushaltshilfen, Ingenieure, Seeleute, Krankenschwestern und Ärzte und Ärztinnen zu arbeiten. Die Übersee-Kommission schätzt, dass gegenwärtig rund 8,7 Millionen Filipinos und Filipinas über den ganzen Erdball verstreut leben. Das sind rund zehn Prozent der Bevölkerung, und die meisten, die sich im Ausland bewerben, zählen zu den am besten ausgebildeten und qualifizierten Arbeitskräften in ihren Berufen.

Für die Gesellschaft und das philippinische Volk ist dies ein großer Verlust, aber die Regierung tut nichts, um sie im Land zu halten und ihren faire Bedingungen zu bieten. Ganz im Gegenteil unterstützt sie diesen sogenannten „Brain-Drain" noch.

Die Wirklichkeit der Auslands-Arbeiter

Die ausgewanderten Arbeitskräfte spielen für die Wirtschaft der Philippinen eine sehr wichtige Rolle. Nicht nur, dass sie die Grundbedürfnisse ihrer Familien sicherstellen und ein besseres Wohnen und eine bessere Ausbildung der Kinder finanzieren. Sie folgen mit ihren Rücküberweisungen auch der Regierungspolitik. Nach Angaben des Arbeitsministeriums schickten sie 2008 16,43 Milliarden US-Dollar in die Heimat. Aber diese Summe wurde nicht für die Verbesserungen der Leistungen im Land verwendet.

Sie werden gern als die „Neuen Helden des philippinischen Volkes" bezeichnet, aber sie leben als „Moderne Sklaven". Viele von ihnen stehen einer ungerechten Behandlung durch ihre Arbeitgebern gegenüber. Darunter sind Arbeitsvertrags-Verletzungen, Verweigerung des Lohns, körperliche Misshandlungen und Inhaftierungen ohne Urteil und sogar Mord.

Auf der anderen Seite leiden viele Auslands-Arbeiter und Arbeiterinnen unter den Folgen, die das Verlassen ihrer Familie hat. Ehen enden in Trennungen, Familienmitglieder werden depressiv, Kinder oder Ehepartner verfallen Drogen, Alkoholismus oder Spielsucht. Einige Kinder werden kriminell oder in der Schule auffällig, weil ihnen niemand mehr mit Rat und Tat zur Seite steht.

Wünsche und TräumeEtliche Filipinos und Filipinas werden als illegale Migranten bezeichnet. Von ihren Vermittlungsagenturen erhalten sie gefälschte Papiere, bei einigen sind die Dokumente abgelaufen und manche haben überhaupt keine. Diese Menschen leiden dann doppelt unter den Folgen des Lebens im Ausland. Viele enden in Gefängnissen, ohne dass ihre Fälle angemessen behandelt würden.

Aber natürlich gibt es auch viele gute Erfahrungen von erfolgreichen Auslands-Arbeiter und ihren philippinischen Familien. Es ist außerdem auch ermutigend, dass es viele Organisationen und Institutionen gibt, die ihnen in verschiedenen Teilen der Welt Hilfe und Unterstützung anbieten.

Liebling Balikbayan

von Epifanio san Juan Jr.

Du bist schon nach Rom und London geflogen
Schautest zurück zu den Wolken, gefüllt mit wandernden Träumen
Warst versunken in langsam sich lösende Erinnerungen am Morgen.

Du bist schon nach Riad und Katar geflogen
Als du mit blinzelnden Augenlidern wach wurdest
War dein Herz zusammengeschnürt
Vor Verdruss über die trügerischen Versprechungen einer falschen Reise.

Du bist schon nach Toronto und New York geflogen
Von besten Abschiedwünschen begleitet
Bist du in die fremde Falle geraten
Die kleine Hoffnung hat dir dein Nest genommen.

Du bist schon nach Chicago und San Francisco geflogen
Die Arme winkten, du hast dem Willkommen Vertrauen geschenkt,
doch hingen an den Regenbogen der Umarmungen auch Tränen des Zweifels.

Du bist schon nach Hongkong und Tokio geflogen
„ich werde dich nicht vergessen" – schöne Worte des Abschieds tropften
Zerbrochene Flügel, im Rauch trieben launisch die Zacken flackernder Sterne.
Du bist schon nach Sydney und Taipeh geflogen
Oh je, wie doch die Gefahr der Verführung die Sehnsucht dich bindet
Du bist ein zappelnder Vogel in den Krallen der Freiheit
Die du in den Himmel hobst.

Du bist geflogen, oh teure Geliebte
Aber in welchem Herzen wirst du endlich landen?
Wenn du ans Seeufer zurückkehrst, befreit von langer Ausdauer
Wirst du meine Seele, zerschnitten und zerstreut
In allen Winkeln der Welt finden.

Balikbayan ist die Bezeichnung für rückkehrende Filipinos nach längerem Auslandsaufenthalt

(Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch: Wolfgang Bethge, entnommen aus: Niklas Reese und Rainer Werning (Hg.) Handbuch Philippinen, 2006, S. 173)

 

Hintergründe:

Niklas Reese und Judith Welkmann (Hg.) Das Echo der Migration. Horlemann Verlag, Bad Honnef, Germany. 2010

Niklas Reese und Rainer Werning (Hg.) Handbuch Philippinen. Horlemann Verlag.Bad Honnef, Germany. 2006

Autorin: Joy Dela Cruz