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Vom Fischreichtum zum Aussterben: Die Situation im Pazifik
Doch dieser Reichtum ist bedroht. Die Fänge werden inzwischen immer geringer. Darunter leiden vor allem die einfachen Fischer, die mit ihren kleinen Booten von den Küstenorten aus aufs Meer fahren. Sie fahren inzwischen weiter hinaus als früher, bleiben länger auf See und kehren doch mit geringerer Ausbeute zurück. Sie zählen auf den Philippinen zu den ärmsten Bevölkerungsgruppen, können mit ihrer harten Arbeit oft nicht mehr ihre Familien ernähren. Seit einigen Jahrzehnten industrialisiert sich der Fischfang auch in Asien immer intensiver. Die Fischereiflotten und -schiffe werden immer größer und legen immer weitere Strecken zurück. So tummeln sich im Pazifik riesige Fangflotten aus den USA, Japan, China, Taiwan, Korea, der EU und auch aus den Philippinen.
Die Überfischung ist eine große, von Menschen verursachte Umweltkrise in fast allen Weltmeeren. Sie schlägt sich unmittelbar auf das Leben der KüstenbewohnerInnen, ihre Ernährung und ihr Einkommen nieder. Die UN-Welternährungsorganisation FAO bezeichnet inzwischen drei Viertel der wirtschaftlich wichtigen Fisch-Bestände weltweit als „komplett ausgebeutet", „überfischt" oder „erschöpft".
Moderne High-Tech-Methoden führen dazu, dass heutzutage viel mehr Fisch gefangen wird, als nachwachsen kann. Mit Hubschraubern und Sonargeräten werden die Fischschwärme geortet und mit riesigen runden Ringwaden-Netzen eingekreist. Diese haben einen Umfang von über 2000 Metern und reichen von der Wasseroberfläche bis zu 200 Meter in die Tiefe. Zunächst werden sie unten zugezogen und anschließend an Deck des Fangschiffs gehoben. In diesen Netzen werden durchschnittlich 60 Tonnen Fisch gefangen, täglich und von nur einem einzigen Schiff. Das entspricht dem Gewicht von eineinhalb Sattelschleppern.
Eine andere moderne Fangmethode ist die Langleinenfischerei. Bis zu hundert Kilometer lang sind die Leinen, bestückt mit zigtausenden von Angelhaken, auf die Köder aufgespießt werden. Jungfische, die zur Arterhaltung und -vermehrung besonders wichtig sind, werden bei beiden Methoden mitgefischt. Dadurch können die Bestände sich nur schwer regenerieren. Auch andere Meeresbewohner wie Delfine, Meeresschildkröten, Haie und Seevögel wie etwa Albatrosse werden als unerwünschter sogenannter „Beifang" mit an Deck geholt. Bis zu 40 Prozent der Ausbeute sind Beifang und werden oft tot oder sterbend wieder über Bord geworfen. Noch lebenden Haien werden auf manchen Schiffen die Flossen abgeschnitten, um sie für Haifischflossen-Suppe zu verwenden. Die so hilflos gewordenen Tiere werden zurück ins Meer geworfen, wo sie verenden. Die ohnehin bedrohten Meeresschildkröten werden weiter dezimiert. Nach Greenpeace-Angaben sind im tropischen Ostpazifik beim Thunfischfang seit den 1960er Jahren über sechs Millionen Delfine getötet worden.
Nachdem sie in den vergangenen Jahrzehnten den Nordatlantik, die Nordsee und das Mittelmeer bereits stark überfischt haben, weichen große Fischereischiffe aus der Europäischen Union auf Fanggründe vor Westafrika, im Indischen Ozean, vor der Antarktis und eben auch in den Pazifik aus. Rund 2.800 EU-Schiffe sind auf den Weltmeeren unterwegs. Die klein- und mittelständische Fischereiwirtschaft in Europa hingegen ist bereits stark beeinträchtigt, die zuvor selbstständigen Fischer sind oft arbeitslos oder als Seeleute auf den Fabrikschiffen tätig. Mit mehreren pazifischen Inselstaaten, zum Beispiel Kiribati, Salomonen und Mikronesien, hat die Europäische Union fragwürdige Fischereiabkommen geschlossen. So müssen die Fischerei-Konzerne pro Tonne Thunfisch, die ihnen zwischen 650 bis 1.500 Dollar Umsatz einbringt, gerade einmal 35 Dollar an die Regierung von Kiribati abführen, weniger als fünf Prozent. Die Europäische Union (und somit auch Deutschland) subventioniert das Leerfischen der Weltmeere sogar noch durch Vergünstigungen im Schiffbau, zeitweise Steuererleichterungen für Treibstoff und Zollerleichterungen. Und das, obwohl die EU-Fischereiflotte bereits erhebliche Überkapazitäten hat. Hinzu kommt die so genannte Piratenfischerei: Bis zu einem Drittel des weltweiten Fangs wird illegal an Land gebracht. Keine Kontrolle, keine Gebühren, keine Aufsicht stoppen diese nichtregistrierten Schiffe. Sie halten sich an keine Obergrenzen, nicht an internationale Fischereiabkommen oder an nationale Schutzvorschriften. Die Ozeane bedecken 70 Prozent der Oberfläche unseres Planeten. Sie und ihre Lebewesen sind weltweit bedroht, mit massiven Folgen für die Menschen, die am und vom Meer leben. Die Situation im Pazifik und in den Philippinen ist nur ein Beispiel für die Lage in vielen Küstenländern.
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Das Südchinesische Meer im Westen und der Pazifische Ozean im Osten der Philippinen sind als tropische Gewässer sehr fischreich. So ist der Fischfang in den Philippinen ein wichtiger Wirtschaftsbereich, Einkommensquelle und Ernähungsgrundlage. Besonders die BewohnerInnen der philippinischen Küstenregionen versorgen sich seit vielen Jahrhunderten mit Fisch als ihrem wichtigsten Eiweißlieferanten. Durchschnittlich sieben Prozent des täglichen Bedarfs an tierischem Eiweiß nimmt ein/e MitteleuropäerIn aus Fischprodukten zu sich. An den Küsten Asiens ist es fast viermal soviel, über 25 Prozent. Auf manchen Pazifikinseln ist der Anteil sogar noch deutlich höher.
Allein die philippinische Fischereiflotte fange jährlich 2,2 Millionen Tonnen Fisch, etwa zehn Prozent des Gesamtfangs der asiatischen Länder, die im Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN) zusammengeschlossen sind. Dies erläutert Raffy Rey Hipolito von FIAN Philippines (Food first – Informations- und Aktionsnetzwerk), einer weltweiten Nichtregierungsorganisation, die sich für das Menschenrecht auf Nahrung einsetzt. Er schildert die schwierige Situation für die verarmten Fischer: „Nach dem philippinischen Fischereigesetz von 1988 gehören die ersten 15 Kilometer See vor der Küste den dort liegenden Kommunen. Diese Seegebiete sind damit den dort wohnenden kleinen Fischern vorbehalten. Stattdessen fangen inzwischen aber auch die großen kommerziellen Schiffe in diesen kommunalen Gewässern. Die meisten unserer Fischer haben nur kleine Bangkas. Das sind Boote mit Rudern oder kleinen Außenbordern und sie können mit dem kommerziellen Fischfang nicht konkurrieren. Früher fingen sie durchschnittlich fünf Kilo Fisch pro Tag. Heute können sie gerade ein bis zwei Kilo pro Tag fangen und verkaufen. Das reicht längst nicht zum Leben für sie und ihre Familien."
Besonders gefährdet ist der Pazifik. In dem größten Ozean der Welt sind Thunfisch, Schwertfisch und Marlin mit am stärksten bedroht. Sie sind nach Greenpeace-Angaben in den letzten 50 Jahren um rund 90 Prozent reduziert worden. Einzelne Thunfisch-Arten stehen bereits auf der Liste der vom Aussterben bedrohten Arten, andere gelten als stark gefährdet. Nur wenige Bestände sind noch in einem Zustand, der als einigermaßen gesichert bezeichnet kann. 30 Prozent des Pazifik-Thunfischs geht allein nach Japan, weitere 40 Prozent - meist in Konservendosen - in die Europäische Union. Es ist ein Riesengeschäft: Etwa zwei Milliarden US-Dollar beträgt der Jahresweltumsatz mit Thunfisch, 70 Prozent aller Thunfische stammen aus dem Pazifik.
Zum Vergleich: Alle Klein-Fischer des pazifischen Insel-Staates Niue zusammen fangen mit ihren Kanus und Aluminiumbooten auf traditionelle Weise rund 100 Tonnen – im ganzen Jahr!







