Der Wettbewerb
Erkennen – Bewerten – Handeln: Bildung für Nachhaltige Entwicklung Drucken E-Mail
Was hat der Öffentliche Personennahverkehr in einer deutschen Stadt mit Fischern am Pazifikstrand zu tun?
Hat der Kauf von Gummibärchen Auswirkungen auf die Ureinwohner im philippinischen Regenwald?
Welche Verbindung gibt es zwischen deutschen Abfallcontainern und Golfplätzen in Asien?

Ungewöhnliche Fragen erzeugen manchmal erstaunliche Einsichten. Neue Erkenntnisse und Bewertungen sind die ersten Schritte zu verantwortlichem Handeln.

Dies ist umso wichtiger, als das künftige Leben heutiger Kinder und Jugendlicher von zahlreichen Herausforderungen und Krisen geprägt sein wird: Armut, Ernährung, Rohstoffe, Energie, Umwelt, Klima, Bevölkerungswachstum, Finanzen, Wirtschaft und Konsummuster sind Themenfelder, die eng miteinander verwoben sind. Sie können als Bedrohung, aber auch als Chance wahrgenommen werden, die aufgegriffen werden muss.

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) will Jugendliche und Kinder befähigen, globale Herausforderungen zu erkennen, sich ihnen zu stellen und zu ihrer Lösung beizutragen. Humanität und Verantwortungsbewusstsein stehen damit in einem engen Zusammenhang. Der Dreischritt von Erkennen, Bewerten und Handeln ist eine Grundlage aller BNE-Didaktik.

Die UNESCO sagt: „Um die Welt für unsere Kinder und Enkelkinder lebenswert zu gestalten, müssen wir lernen, nachhaltig zu denken und zu handeln. Nur so finden wir Lösungen für Herausforderungen wie den Klimawandel oder Armut. Die Vereinten Nationen haben deshalb die UN-Dekade ‚Bildung für nachhaltige Entwicklung’ (2005-2014) ausgerufen. Diese Bildungsoffensive trägt nachhaltiges Denken und Handeln in Schulen, andere Bildungseinrichtungen und setzt das Thema ganz oben auf die politische Agenda.“


2007 verabschiedeten die Kultusministerkonferenz und das Bundesentwicklungsministerium den „Orientierungsrahmen für Globale Entwicklung im Rahmen einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung“. Hinter diesem Papier mit dem etwas sperrigen Titel steht die Erkenntnis, dass die Bereiche Umwelt, Entwicklung, Wirtschaft und Gesellschaft untrennbar miteinander verzahnt sind und die Zukunft unserer Welt entscheidend beeinflussen. Es will die BNE in der allgemeinen und beruflichen Bildung systematisch verankern und damit zur Zukunftsfähigkeit und zu einer besseren Weltorientierung unserer Gesellschaft beitragen.

Auch wenn die Vorgaben und Empfehlungen des Orientierungsrahmens vielleicht noch längst nicht alle einzelnen Lehrpläne und Curricula jedes betroffenen Schulfaches in jedem einzelnen Bundesland erreicht haben, so ist sein Einfluss doch unübersehbar. Und er ist ein Trendsetter: Die Bedeutung der BNE für die Schule wird - auch in Deutschland - mit hoher Sicherheit wachsen, auch über die UNESCO-Dekade hinaus, die 2014 enden wird.

Das Projekt „Vernetzte-Er.de“ operationalisiert die Anregungen des Orientierungsrahmens für den Schulalltag. Es macht die BNE am Beispiel eines einzelnen Partnerlandes handhabbar, den Philippinen. Es informiert nicht nur über die Zusammenhänge von Umwelt, Wirtschaft und Entwicklung, sondern

  • initiiert komplexe Lernprozesse
  • trainiert mehrdimensionales Denken
  • stärkt die Handlungskompetenz junger Menschen und
  • stellt die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen


Der zur Verfügung gestellte Materialband sowie der ergänzende Internet-Auftritt www.vernetzte-er.de gibt Lehrerinnen und Lehrern eine inhaltliche Unterstützung beim Betreten des BNE-Neulands. Die Texte und Fotos, aber auch zahlreiche Filme ermöglichen eine große Vielfalt in der didaktischen und methodischen Arbeit.

Vernetzte-Er.de stellt die Komplexität der zahlreichen Herausforderungen in den Mittelpunkt des Lernens. Wir fordern dazu auf, sich

  • mit mehreren unterschiedlichen konkreten Themen auseinander zu setzen, mit denen die Länder des globalen Südens (beispielsweise die Philippinen) konfrontiert sind,
  • Wechselwirkungen und Zusammenhänge der Themen untereinander, aber auch zu unserem Lebensstil in Deutschland zu erkennen,
  • Zielkonflikte zwischen den Handlungsfeldern zu analysieren,
  • daraus allgemeine Schlussfolgerungen zu ziehen,
  • Handlungsoptionen zu entwickeln und 
  • die komplexen Erkenntnisse in einem Medienprodukt attraktiv und angemessen zu präsentieren.


Dieser Prozess erfordert zahlreiche Kompetenzen, die die Schülerinnen und Schüler sich dazu aneignen müssen. Die Kompetenzen - und damit die Lernziele des Bildungsvorhabens - sind im Einzelnen: Schülerinnen und Schüler können

  • Themen auch über die von uns angebotenen Materialien hinaus weiter recherchieren (Informationsgewinnung),
  • Themen aus den Bereichen Umwelt, Wirtschaft und Entwicklung strukturiert miteinander verknüpfen (Informationsbewertung und -verarbeitung),
  • Bezüge zwischen eher abstakten, scheinbar fern liegenden Themen und dem eigenen Lebensstil und unseren Konsumgewohnheiten herstellen (Perspektivwechsel, Reflexions- und Kritikfähigkeit), 
  • in Fächer- und Arbeitsgruppen zielgerichtet miteinander zusammenarbeiten (Kooperationsfähigkeit, Sozialverhalten),
  • ein Medienprodukt für Gleichaltrige produzieren (Ergebnissicherung, adressatengerechte Medienkompetenz) und
  • ihre Arbeitsergebnisse vor Gleichaltrigen und Lehrer/innen präsentieren und vertreten (Darstellung, Ausdrucksfähigkeit).


Vernetzte-Er.de spricht viele Fächer an:

  • Naturwissenschaften (z.B. Biologie, Chemie)
  • Gesellschaftswissenschaften (z.B. Politik, Geografie, Sozialkunde, Wirtschaft, Religion / Ethik)
  • Sprachen (z.B. Englisch) und 
  • Gestaltung und Medien (z.B. Kunst, Deutsch, Informatik, Darstellendes Spiel, Musik)


Den Autoren ist sehr bewusst, dass der Vorschlag von Fächer verbindendem und übergreifendem Unterricht an vielen Schulen mit zahlreichen organisatorischen, personellen und fachbezogenen Schwierigkeiten verbunden sein kann. Daher kann das Material durchaus auch in einzelnen Fächern eingesetzt werden. Dennoch wollen wir dazu ermutigen, hiermit ein übergreifendes Projekt zu starten. Es kann und soll auch nach dem Wettbewerb stattfinden, denn die Materialien bleiben mittelfristig aktuell und einsetzbar.

In diesem Sinne wünschen wir LehrerInnen und SchülerInnen erhellende und bereichernde Lernerlebnisse bei der Arbeit an den Themen und mit den Materialien.

Die Veranstalter