Umwelt
Potenzial vorhanden Drucken E-Mail

Erneuerbare Energien in den Philippinen sollen in Zukunft mehr gefördert werden

umwelt_energy_windradIm Jahr 2008 trat auf den Philippinen das Gesetz zu erneuerbarer Energie in Kraft, das so genannte Renewable Energy Law. Zwei Gründe waren für die Zustimmung zum Gesetzestext ausschlaggebend: Zum einen das wachsende globale Bewusstsein für den Klimawandel, zum anderen der aktive und konstruktive Druck vieler Organisationen und Unternehmen für den Ausbau der erneuerbaren Energien in den Philippinen.

Die Stromversorgung des südostasiatischen Landes ist in einer kritischen Phase. Mit steigendem Energieverbrauch, der Stilllegung von diversen Kraftwerken und dem Fehlen von neuen Projekten, kann die steigende Energienachfrage zunehmend schlechter befriedigt werden. »Kritische Zeiten« werden für die philippinischen Insel Luzon schon im Jahr 2010 prognostiziert. Studien des Energieministeriums zeigen, dass der Stromsektor das größte Marktpotential für erneuerbare Energien bietet und diese einen großen Anteil zur Stromversorgung des Inselstaates beitragen können.

umwelt_energy_kuchendiagramm2009 sind es vor allem fossile Brennstoffe wie Kohle und Erdöl, die einen großen Teil des philippinischen Energiemixes ausmachen. Erneuerbare Energien haben einen Anteil von knapp einem Drittel an den Stromerzeugungskapazitäten des Landes. Dieser vergleichsweise hohe Anteil ist vor allem Wasserkraft- und Erdwärme (Geothermie)-Anlagen zu verdanken. Wind- und Solarenergie spielen dagegen noch keine nennenswerte Rolle.

Zum Vergleich: 2009 betrug der Anteil der ‚Erneuerbaren' an der Stromproduktion in Deutschland 16,1 Prozent.

Verwundbare Energiesituation

Für ihre Energiebedürfnisse sind die Philippinen von Treibstoff- und Erdölimporten abhängig. Wenn der Preis für Rohöl auf dem Weltmarkt steigt, müssen die Filipinos und Filipinas mit höheren Treibstoff- und Stromkosten rechnen.

Der hohe Verbrauch von Kohle und Erdöl in der Stromproduktion trägt zu einer weiter steigenden Luft- und Wasserverschmutzung, Schädigung der Böden, der globalen Erderwärmung und damit zum Klimawandel bei. Das gilt übrigens nicht nur für die Philippinen.

Eine konstante Energieversorgung der Philippinen ist schwierig, denn die steigende Nachfrage lässt sich durch die aktuell zur Verfügung stehenden Reserven nicht befriedigen. Die Folge ist ein instabiles Stromnetz mit häufigen Ausfällen.

Durch die zu geringen Kapazitäten an erneuerbaren Energien werden die Philippinen bei der Stromerzeugung weiterhin auf Erdöl basierende Kraftwerke angewiesen sein. Das bedeutet eine fortdauernde Abhängigkeit von Erdöl- und Kohleimporten und von steigenden Energiekosten. Statt also in Anpassungsmaßnahmen an die Folgen des Klimawandels investieren zu können, fließen immer mehr Gelder in die Beschaffung von fossilen Energieträgern.

Das Potential für erneuerbare Energien in den Philippinen

Einige Meilensteine für ein Entwicklungsprogramm für erneuerbare Energien haben die Philippinen bereits realisiert: Sie sind der zweitgrößte Produzent von Energie durch Erdwärme und der größte Windenergieproduzent in Südostasien.

Allerdings sorgt das Fehlen eines dynamischen Programms für erneuerbare Energien unter Umständen dafür, dass die Philippinen von ihren asiatischen Nachbarn überholt werden.

Die Entwicklung von erneuerbaren Energieressourcen in den Philippinen konzentriert sich hauptsächlich auf neue Wasserkraftprojekte. Seit 2002 wurde der erneuerbare Energiesektor nur um 1.039 MW ausgebaut, der Großteil davon im Bereich Geothermik und Wasserkraft. Das bedeutet einen durchschnittlichen Ausbau von 173 MW pro Jahr.

Um das Zehn-Jahres-Ziel der Regierung zu erreichen müssen zusätzlich 3.859 MW entwickelt werden.

Auf dem Papier hat die Regierung schon lange die Vision einer Zukunft, die zu einem signifikanten Anteil von erneuerbaren Energien angetrieben wird; doch bedarf es einer unterstützenden politischen, regulierenden, technischen und sozialen Umgebung, um diese Vision Realität werden zu lassen.

Der Renewable Energy Act

umwelt_energy_stromnetzNach fast 20 Jahren andauernden Verhandlungewn wurde im Dezember 2008 das Gesetz für erneuerbare Energien (Renewable Energy Act) vom philippinischen Kongress verabschiedet. Somit sind die Philippinen nun einer von mehr als 60 Staaten, die ein »renewable energy policy regime« besitzen. Dieses Gesetz ebnet den Weg für eine schnellere und dynamischere Entwicklung der erneuerbaren Energieressourcen des Landes. Drei wichtige Zielsetzungen werden mit diesem Gesetz verfolgt: Energieselbstversorgung, ökologische Nachhaltigkeit und die Versorgung lokaler Gemeinden.

Der philippinische Energieminister Angelo Reyes äußerte sich so zur Bedeutung des Gesetzes: »Die Zukunft liegt in sauberer, erneuerbarer Energie. Ihr wird vorausgesagt, dass sie in den nächsten fünf Jahren eine der größten Industrien werden wird. Der Nutzen von erneuerbarer Energie ist bemerkenswert. Sie begünstigt nachhaltiges Wachstum, Energieunabhängigkeit und ökonomische Sicherheit für das Land und bindet uns in die globalen Maßnahmen zum Stopp des Klimawandels ein.«

Der Renewable Energy Act bietet zahlreiche steuerliche und nicht-steuerliche Begünstigungen für Investitionen in erneuerbare Energie. Er will letztendlich einen Markt für erneuerbare Energien garantieren und ein System bereitstellen, das es Konsument/innen ermöglicht, grüne Energiequellen zu nutzen.

Das Gesetz zu erneuerbaren Energien bestimmt ebenfalls die Einrichtung eines Renewable Portfolio Standard (RPS) - Systems, welches von Stromanbietern verlangt, einen bestimmten Anteil ihrer Stromversorgung aus erneuerbaren Energien zu beziehen. Das RPS wird ergänzt von einem Einspeisetarifsystem, das zu einer schnellen Einspeisung durch erneuerbare Energieprojekte ermutigt.

Die Philippinen haben das Ziel, den erneuerbaren Energiesektor um mehr als 4.000 MW auszubauen. Während der Ausbau von erneuerbarer Energie in den letzten Jahren stagniert ist, wird von der Verabschiedung des Gesetzes erwartet, dass neue Investoren aus der Industrie angesprochen werden, die helfen dieses Ziel umzusetzen.

Vom Nutzen erneuerbarer Energien

Nicht nur für Staaten mit einem hohen CO2-Ausstoß macht der Ausbau von erneuerbaren Energien Sinn. Sie können auch als Anpassungs- und Entwicklungswerkzeug für lokale Gemeinden dienen.

Vom Renewable Energy Law wird erwartet, dass es ein Zeitalter sauberer Energienutzung im Land einleitet, von der noch Generationen profitieren werden. Das Gesetz für erneuerbare Energien bringt folgende Vorteile mit sich:

  • Vermeidung von Energieimporten: Im Durchschnitt bedeuten 600 Millionen kWh, die durch erneuerbare Energie produziert werden, dass eine Millionen Barrel Erdöl weniger importiert werden muss. Wenn es die Philippinen schaffen, bis 2014 2.500 MW durch regenerative Energien zu produzieren, kann das Land den Import und Kauf von 100 Millionen Barrel Erdöl sparen. Die geschätzte Einsparung beträgt 3,6 Milliarden US-Dollar.
  • Verringerung der Ausgaben für Gesundheit und Umwelt, da weniger Folgeschäden auftreten, die durch die Abgase von konventionellen Kraftwerken entstehen. Kraftwerke, die auf erneuerbaren Energien basieren, stoßen keine oder nur wenig für Menschen schädliche Emissionen aus. Die Nutzung dieser Energiequellen zur Stromerzeugung wird auch zu geringeren Ausgaben für die Wiederherstellung der Umwelt führen.
  • Durch den Ausbau der Elektrizität auf Basis von erneuerbaren Energieressourcen in Höhe von 4.000 MW werden Nettogewinne von 1,23 Milliarden US-Dollar erwartet. Diese Gewinne können genutzt werden, um die weitere Entwicklung des Landes zu fördern.

Erneuerbare Energien und die Zivilgesellschaft

umwelt_energy_switchBei der Durchsetzung des Renewable Energy Law spielte und spielt die philippinische Zivilgesellschaft eine wichtige Rolle. Sie setzte sich für eine gesteigerte Wahrnehmung des Klimawandels ein, äußerte Bedenken zur Energiesicherheit und verband dies mit einer nachhaltigen öffentlichen und politischen Aufklärungskampagne.

Zu diesem Zweck wurde die Renewable Energy Coalition (REC) gegründet. Die REC setzt sich aus Vertretern der Regierung, Umweltschutzorganisationen und Unternehmen aus dem Bereich der erneuerbaren Energien zusammen.

SWITCH ist eine soziale Bewegung, die zeigen will, wie jeder einzelne Mensch auf den Philippinen und bestimmte Bereiche der philippinischen Gesellschaft substanziell zu den massiven Anstrengungen beitragen können – durch Wandel ihres Lebensstils, Verhaltens und Standardpraktiken – Antworten auf die düsteren Konsequenzen aus dem empor schnellenden Ölpreis und dem Klimawandel zu geben.

Als soziale Mobilisierungsinitiative möchte SWITCH („Umschalten"):

  • Energieprogramme von Regierung und Privatunternehmen so gestalten, dass auch die Kunden über sie mitentscheiden können.
  • »Best Energy Practices« erweitern und beschleunigen, die einfach, aber strategisch bedeutend sind.
  • Die institutionellen Grundlagen schaffen, um Best Energy Practices an der Basis zu verankern.
Das SWITCH Movement konzentriert sich auf fünf Aktionspläne:
  • Umschalten von ineffizienten zu effizienten Energiepraktiken – angefangen mit Licht an Arbeitsplätzen, Gebäuden, Wohnungen und öffentlichen Plätzen.
  • Umschalten von auf Erdöl basierenden Treibstoffen zu alternativen Treibstoffen und sauberer Technologie im Transportsektor.
  • Umschalten von Petroleum auf erneuerbare Energiequellen für Licht und Basisstromversorgung in abgelegenen ländlichen Regionen.
  • Umschalten von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien in der Stromerzeugung, überall dort, wo es auf der lokalen Ebene durchführbar ist.
  • Umschalten von den Überresten einer zentralistischen Energieplanung zu einer stärker an den Bedürfnissen orientierten Energieplanung auf der lokalen Ebene.

Autorin: Catherine Maceda, Geschäftsführerin der Renewable Energy Coalition, aus: südoastasien, Heft 1, 2009 (gekürzt)