Die Ressource Arbeit – zwischen Selbstverwirklichung und Sklaverei Drucken E-Mail
shutterstock_73009126Arbeit prägt das Leben aller Menschen, sie ist eine weltweite Ressource mit vielfältigen Aspekten. Für die allermeisten Menschen ist die Arbeit überlebensnotwendig, weil sie ein Einkommen ermöglicht. Um die Bezahlung von Arbeit wird viel gerungen, denn die Kosten für viele Produkte einerseits und der Wohlstand der Arbeitenden andererseits hängen von den Löhnen ab. Gewerkschaften vertreten dabei die Interessen der Arbeit-„Nehmer".

Die Arbeit-„Geber" hingegen müssen möglichst günstig herstellen, um dem Druck der internationalen Konkurrenz standhalten zu können.

Gute Arbeit gibt dem Leben aber auch Sinn und Erfüllung – sie ist Teil aller Überlegungen, sich selbst zu verwirklichen. Wer zu viel Arbeit hat, leidet jedoch manchmal unter Belastung und Stress bis hin zu krank machendem Burnout. Lohnarbeit wird bezahlt, aber viele wichtige Tätigkeiten werden auch freiwillig kostenlos verrichtet – im Haushalt, in der Kindererziehung, in Ehrenämtern – und die sind natürlich ebenfalls Arbeit.

Abermillionen Menschen leben als Tagelöhner von Gelegenheitsarbeiten und wechselnden Jobs. Sie haben keinerlei Sicherheit im Leben und können nur ihre Arbeitskraft anbieten, mal besser, mal schlechter bezahlt und oft auch ganz ohne Einkommen. Derart unterbeschäftigt und offiziell gar nicht gemeldet, sind nach Schätzungen rund eine Milliarde Arbeitssuchende. Fehlende oder zu schlecht bezahlte Arbeit ist der weitaus wichtigste Grund, dass Menschen aus ihrer Heimat ins Ausland gehen.

Die Arbeit von Kindern ist oft besonders brutal, denn sie werden mit schlechten Löhnen und schlimmen Arbeitsbedingungen ausgebeutet. Vor allem aber wird ihnen dabei die Zeit gestohlen, die sie für die Schule und eine Berufsausbildung brauchen – also für die Vorbereitung auf ein besseres Leben.

Jedes fünfte Kind, rund 300 Millionen, zwischen fünf und 13 Jahren muss sein Einkommen selbst verdienen – mehr als ein Drittel davon unter gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen. Sie arbeiten in Steinbrüchen und Bergwerken, an Teppich-Webstühlen, auf Plantagen und in der Herstellung von Feuerwerkskörpern. Kinder, die als Soldaten oder Prostituierte missbraucht werden, leiden besonders unter ihrer Ausbeutung – oft ihr ganzes weiteres Leben.

Wer arbeitslos ist, dem fehlt nicht nur Geld, sondern auch Herausforderung und Rhythmus im Alltag und vor allem eine Lebensperspektive. Die Zahl der offiziell gemeldeten Arbeitslosen stieg 2012 erstmals auf über 200 Millionen Menschen, der überwiegende Teil ist weiblich, und der Anteil von Jugendlichen ist mit 75 Millionen besonders hoch. Nach den Prognosen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO wird die weltweite Arbeitslosigkeit weiter wachsen.

Der Philosoph und Ökonom Karl Marx verband Arbeit eng mit dem Wesen des Menschen. Sie sei „ewige Naturnotwendigkeit, um den Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur, also das menschliche Leben zu vermitteln.“
Arbeit mache den eigentlichen Unterschied zwischen Tier und Mensch aus: „Eine Biene beschämt durch den Bau ihrer Wachszellen manchen menschlichen Baumeister. Was aber von vornherein den schlechtesten Baumeister vor der besten Biene auszeichnet, ist, dass er die Zelle in seinem Kopf gebaut hat, bevor er sie in Wachs baut. Am Ende des Arbeitsprozesses kommt ein Resultat heraus, das beim Beginn desselben schon in der Vorstellung des Arbeiters, also schon ideell vorhanden war.“ Dieser hohen Bedeutung stimmte sogar der Erfinder und Autoproduzent Henry Ford zu: „Arbeit gibt uns mehr als den Lebensunterhalt, sie gibt uns das Leben.“

Wer arm ist, muss fast jede Arbeit annehmen, die er angeboten bekommt, um sein Überleben zu sichern. Selbst eine schlechte Bezahlung und miese Arbeitsbedingungen werden in Kauf genommen, um sich selbst oder seine Kinder ernähren zu können. Armut und drohender Hunger öffnen der Ausbeutung in allen möglichen Formen Tür und Tor.

Nicht nur gierige Arbeitgeber profitieren davon, nicht nur unersättliche Geld-Anleger steigern ihre Gewinne. Jeder Verbraucher und Kunde, der in „Geiz ist Geil"-Mentalität gedankenlos auf Schnäppchen-Jagd geht, beteiligt sich an menschenverachtender Ausbeutung. Globale Bestell-, Produktions- und Lieferketten bringen die Waren aus dem Süden der Welt zu uns. In die andere Richtung gehen allzu oft nicht gerechte Bezahlung für harte Arbeit, sondern Lohndumping und Wettbewerbsdruck.

Die „Kampagne für Saubere Kleidung" (CCC) erforschte die Auswirkungen des Kostendrucks durch die Supermärkte Carrefour und WalMart sowie die deutschen Discounter KiK, Aldi und Lidl auf Näherinnen in der Textilherstellung.

shutterstock_11813425Khorshed Alam hat 2012 die Arbeitsbedingungen bei Aldi-Zulieferern in Bangladesch untersucht: „Die meist weiblichen Beschäftigten arbeiten bis zu 100 Stunden pro Woche und können dennoch von ihren kargen Löhnen kaum leben. Der Arbeitsdruck ist enorm." Sandra Dusch Silva von CCC ergänzt: „Es handelt sich um Verletzungen von Arbeits- und Frauenrechten, wie sie in der arbeitsintensiven Industrie Bangladeschs durch den Preisdruck von hiesigen Importunternehmen typisch sind. Die Schnäppchenhits bei Aldi werden mit systematischen Missachtungen von Sozialstandards bei globalen Zulieferern erkauft."

Holländische Organisationen berichten aus indischen Textilfabriken: „Rekrutiert werden fast ausnahmslos junge, unverheiratete Frauen und Mädchen im Alter von 14 – 25 aus der Region Tamil Nadu. Unter Versprechungen von einem gut bezahltem Job, drei Mahlzeiten pro Tag, einer guten Unterkunft und der Möglichkeit sich zu bilden und weiter zu qualifizieren, werden Arbeiterinnen in die Fabriken gelockt. Niedergeschrieben werden diese Versprechungen nicht, was dazu führt, dass vieles nicht eingehalten wird bzw. eingefordert werden kann. Unterhändler versprechen ihren Eltern, dass nach 3-4 Jahren Arbeit die jungen Frauen das gesamte Gehalt ausgezahlt erhalten, womit diese ihre Mitgift für eine Heirat bezahlen können. Dabei wird aber nicht kontrolliert, ob der dann ausgezahlte Lohn von mehreren Jahren korrekt berechnet ist. Die gesamte Lebens- und Arbeitssituation führt zu höchstem psychischen Druck und hinterlässt schwerste psychische Schäden. Die erschreckende Zahl von über 100 toten Arbeiterinnen, die sich aufgrund ihrer Gesamtsituation in den letzten zwei Jahren das Leben nahmen, verdeutlicht die unmenschlichen Verhältnisse in außerordentlichem Maße."

Bei uns führt solche Ausbeutung der Näherinnen dazu, dass Discounter die Kleidung zu Billig-Preisen anbieten können – die Freude deutscher Verbraucher über die günstigen Preise entstammt nur ihrer Unwissenheit.


 
Iqbal_Masih_101-0156_img_2Das Schicksal von Iqbal Masih
Im Alter von vier Jahren wurde der pakistanische Junge Iqbal Masih als Schuldknecht an den Besitzer einer Teppichfabrik verkauft. Die Schuldsumme betrug umgerechnet 12 US-Dollar.
Mehrere Fluchtversuche des Kindes scheiterten. Sechs Jahre musste er täglich 16 Stunden arbeiten, bis er befreit wurde. Infolge der langen und harten Arbeit sowie mangelnder Ernährung war sein körperliches Wachstum zurückgeblieben. Nach seiner Befreiung konnte er eine Schule besuchen. Mit Unterstützung einer pakistanischen Organisation gegen Schuldknechtschaft engagierte er sich für die Rechte der Kinder. Sein Engagement führte zur Befreiung vieler Kinder. Kurz nach der Auszeichnung mit einem Menschenrechtspreis in den USA wurde der Junge in der Nähe seines Heimatortes ermordet. Die Umstände dieses Verbrechens wurden nie eindeutig geklärt. Quelle: Terre des Hommes