Holz – Wenn ein Rohstoff auf den Bäumen wächst Drucken E-Mail
CMYK_0005037Weltmeister sind die Deutschen im Fußball zurzeit leider nicht, dafür aber beim Altpapiersammeln. Laut Umweltbundesamt werden bei uns 71 Prozent des benutzten Papiers wieder eingesammelt. Seit 1991 hat sich die Verwendung von Altpapier in der Papierproduktion mehr als verdoppelt. Warum ist das Sammeln und Recyceln von Papier denn eigentlich so wichtig?

Das liegt an der Ökobilanz: Zur Herstellung von einem Kilogramm Frischfaser-Papier, das aus frisch gefällten Bäumen produziert wird, braucht man bis zu 2.000 Liter Wasser, für die gleiche Menge Recycling-Papier nur ein Prozent davon, sagt die Vereinigung Deutscher Gewässerschutz. Beim Energieverbrauch schneidet neu hergestelltes Papier ähnlich schlecht ab: Zur Herstellung von Recyclingpapier braucht man deutlich weniger Strom als zur Produktion mit frischen Fasern.

Auch in der Rohstoffbilanz sieht es für neu produziertes Papiers nicht gut aus: Zur Herstellung von einer Tonne neuem Papier werden etwa 2.500 kg Holz benötigt, für die Produktion von Recyclingpapier überhaupt keins, da es ja aus bereits verwendeten Papierfasern hergestellt wird.

Pro Jahr werden weltweit 13 Millionen Hektar Wald durch Rodung oder Abbrennen vernichtet, das ist viermal die Fläche von Belgien. Dadurch werden massenhaft klimaschädliche Gase freigesetzt. Diese Gase sind die zweitgrößte Quelle von menschenverursachtem Kohlendioxid, nur die Energieproduktion bläst noch mehr CO2 in die Atmosphäre. Besonders in Südamerika, jedoch auch in Indonesien und Russland, nimmt die - meist illegale - Abholzung dramatisch zu. Viele Waldflächen werden zerstört, damit auf den freien Flächen Rinder gezüchtet oder Soja als Tierfutter angebaut werden kann.


_CMYK_shutterstock_5748274Durch die Rinderzucht und Soja-Farmen werden die indigenen (eingeborenen) Menschen aus ihren angestammten Gebieten vertrieben. Insgesamt leben im Amazonas-Regenwald rund 220.000 Indigene, die 180 verschiedenen Völkern angehören. Selbst wenn es der indigenen Bevölkerung gelingt, ihre Gebietsansprüche gegenüber der Regierung durchzusetzen, sind sie nicht vor den Auswirkungen der extensiven Landwirtschaft geschützt: An vielen Orten werden durch die Abwässer der großen Soja- und Rinderfarmen die Flüsse verschmutzt. Durch die Abholzung des Regenwaldes werden nicht nur Menschen aus ihrem Lebensraum vertrieben, sondern auch viele Tierarten – alle 12 Minuten stirbt durch die menschliche Nutzung der Natur eine Art aus.

Nicht nur als Lebensraum für Menschen und Tiere ist der Wald eine wichtige Ressource: Von Greenpeace werden die großen Regenwälder als „Welt-Klimaanlage" bezeichnet, weil sie CO2 in Sauerstoff umwandeln, der für uns lebensnotwendig ist. Nach den Meeresalgen ist der Regenwald der größte Sauerstoffproduzent auf der Erde. Ohne diese wichtige Funktion der Urwälder würde der Treibhauseffekt massiv verstärkt. Noch eine weitere Auswirkung auf die Erderwärmung hat der Regenwald: Ohne die riesige Wolkendecke über den tropischen Regenwäldern, die die Sonnenstrahlen von der Erdoberfläche abhält, wäre die Erde deutlich wärmer.

Auch in unseren gemäßigten Breiten ist der Wald eine wichtige Ressource:

In Freizeit, Erholung und Tourismus spielt der Wald in Europa eine wichtige Rolle. Durch die besonders reine Luft (Bäume filtern bis zu 99 Prozent der Staubteilchen aus der Luft), den erhöhten Sauerstoffgehalt (eine hundertjährige Buche produziert 3 Millionen Liter Sauerstoff pro Jahr), die höhere Luftfeuchte und durch die im Sommer angenehmen kühlen Temperaturen sind die heimischen Wälder für viele Menschen in ihrer Freizeit oder im Urlaub ein bevorzugter Erholungsraum, in dem sie entspannen, wandern, spielen, Früchte sammeln oder Tiere beobachten können.

Hier in Mitteleuropa sind Wälder die artenreichsten Ökosysteme. In den deutschen Wäldern sind heute durch menschlichen Einfluss über 40 Baumarten vertreten. Viele Tierarten brauchen Wälder als Rückzugsmöglichkeit und Nahrungsgrundlage.

Da ein Drittel der Fläche Deutschlands von Wald bedeckt ist, leisten Bäume einen nicht zu vernachlässigenden Beitrag zur Speicherung von CO2. Eine Fichte benötigt zum Aufbau von einem Kubikmeter Holz ca. 700 kg Kohlendioxid. Wenn man aus diesem Baum Möbel oder andere Produkte herstellt, bleibt das CO2 weiterhin im Holz gebunden und wird nicht in die Atmosphäre freigesetzt, bis das Holz entweder verrottet oder verbrennt. In Holzprodukten werden jedes Jahr bis zu fünf Millionen Tonnen mehr CO2 gespeichert. Zurzeit sind in Deutschland ca. 350 Millionen Tonnen Kohlenstoff in Holzprodukten eingelagert. Mehr Holz zu nutzen heißt also, die Emission von Treibhausgasen zu vermindern.

Nachhaltigkeit
1713, also vor ziemlich genau 300 Jahren, benutzte der Berghauptmann Hans Carl von Carlowitz erstmals den Begriff der Nachhaltigkeit in seiner „Anweisung zur Wilden Baum-Zucht“. Damals stand das Königreich Sachsen vor dem Problem eines „Grossen Holz=Mangels“. Holz war der wichtigste Baustoff und der bedeutendste Energieträger, besonders als Holzkohle in der Metallverarbeitung.
Zu der „nothdürfftigen Versorgung des Hauß= Bau= Brau= Berg= und Schmelz=Wesens“, ordnete er an, dass mindestens so viel Wald wieder angepflanzt werden musste, wie eingeschlagen wurde, „dass es eine continuierliche, beständige und nachhaltende Nutzung gebe.“ Inzwischen wird der Begriff Nachhaltigkeit auch auf viele andere Ressourcen übertragen, um eine Balance von Verbrauch und Erneuerung zu beschreiben.

 

Um ökologisch verantwortungsvoll mit den Wäldern und zugleich fair mit den Menschen umzugehen, die in und von ihnen leben, gibt es verschiedene Institutionen, die sich mit dem Schutz des Waldes und seiner nachhaltigen Bewirtschaftung beschäftigen. Der Forest Stewardship Council (FSC), und das PAN European Forest Certification System (PEFC) sind die international wichtigsten Zertifizierungssysteme für den Rohstoff Holz.

Wer als Holzproduzent eines der Siegel führt, kann höhere Verkaufspreise erzielen. Wenn das Holz durch die Zertifizierung besser zu verkaufen ist als ohne, ist es für große Firmen lukrativ, Holzplantagen mit riesigen zertifizierten Wald-Monokulturen anstelle der ursprünglichen Mischwälder zu errichten, wofür oftmals Einwohner vertrieben werden. Die Holz-Siegel haben also nicht immer nur positive Auswirkungen auf Mensch und Natur und sind deswegen umstritten.

shutterstock_11421622Wegen der besseren Verkaufsmöglichkeiten lassen auch deutsche Holzwirtschaftsbetriebe ihre Wälder zertifizieren. Fünf Prozent der deutschen Waldfläche werden bereits heute nach den Grundsätzen und Kriterien des FSC bewirtschaftet, bis 2015 sollen es 15 Prozent sein. Das Siegel des PEFC wird von knapp 70 Prozent der deutschen Wälder getragen, vor allem weil die Zertifizierung kostengünstiger zu bekommen ist und nach diesem System – im Gegensatz zum FSC – keine unbewirtschafteten Waldflächen zur Förderung der biologischen Vielfalt vorgehalten werden müssen, was den Forstbetrieben höhere Gewinne ermöglicht. Das Holz mit Siegel wird zwar nachhaltig und ökologisch verantwortungsvoll gewonnen, aber einheitlich sind die Kriterien nicht. Vorsicht walten lassen sollten Kunden besonders bei nicht zertifiziertem Holz aus den Tropen und bei unbekannten Siegeln, die oft keine strengen Kriterien anlegen.

Der Rohstoff Holz und die Ressource Wald sind, wie wir sehen, nicht nur darauf angewiesen, dass wir Altpapier sammeln und wiederverwerten, sondern es verbirgt sich dahinter ein weitaus komplexeres Themenfeld. Es spielt eben nicht nur die Umwelt eine Rolle, der wir helfen, wenn wir Papier recyceln. Die verschieden Aspekte hängen dabei so miteinander zusammen, dass auch die Wirtschaft und unser eigener Verbrauch des Rohstoffs Holz die Lebensbedingungen der Menschen in den großen Regenwäldern der Erde beeinflussen und Auswirkungen auf unsere eigene Zukunft und unser Lebensumfeld haben.