„Kinder“ Schokolade – im wahrsten Sinn des Wortes Drucken E-Mail

shutterstock_51570274Unsere leckere Schokolade!   Die meisten Menschen lieben sie, und die Hälfte aller Schokolade weltweit essen wir in Europa. Schokolade zu essen nicht so harmlos wie wir vielleicht glauben – vor allem nicht für Kinder in Afrika. Der größte Teil des Kakaos, der in unserer Schokolade steckt, stammt von Plantagen der Elfenbeinküste. Dort arbeiten nach Schätzungen von UNICEF über 200.000 Kindersklaven unter erbärmlichen Bedingungen auf Kakaoplantagen.

 Der Ursprung des Kakaos liegt in Mittelamerika, im Gebiet des heutigen Mexiko, Guatemala und Honduras. Dort lebten die Völker der Azteken und Mayas. Deren Vorfahren bauten bereits um das vierte Jahrhundert Kakao an. Aus gemahlenem Kakao, mit Chili, Vanille und Honig gewürzt, bereiteten die Azteken einen wahrhaften Powerdrink, die "Xocolatl", Das bedeutet das „Getränk der Götter“.

In mehr als 30 tropischen Entwicklungsländern wird Kakao angebaut und mehr als 14 Millionen Menschen bestreiten ihren Lebensunterhalt damit. Kakaobäume gedeihen am besten rund um den Äquator. Die Pflanze benötigt nährstoffreiche Böden, viel Wasser und warme Temperaturen. Die Kakaofrüchte sehen aus wie Rugby-Bälle und wachsen direkt am Stamm und Ästen des Baumes. Wenn sie reif sind, werden sie mit einem Messer vom Baum abgeschlagen. Im Inneren der Früchte sind 20 bis 60 Samen, die "Kakaobohnen". Diese Bohnen sind eingebettet in eine weiche Masse, die "Fruchtpulpe", die sehr süß und lecker schmeckt.

Die Weiterverarbeitung zu Schokolade und damit die Wertschöpfung spielen sich in den Industrieländern ab. In Europa werden etwa 40 Prozent der weltweiten Kakaoernte verarbeitet. Der größte Teil dieser Ernte stammt aus Ländern Westafrikas. In den Verbraucherländern landen die Bohnen in den Fabriken zur Weiterverarbeitung. Drei Produkte gewinnt man aus der Bohne: Kakaomasse, Kakaobutter und Kakaopulver.

shutterstock_74588194In den Fabriken werden die Bohnen gereinigt und geröstet. Dabei entstehen der typische Duft und die braune Farbe. Die Schalen werden entfernt und die Bohnen werden zu der Kakaomasse zermahlen. Aus dieser Masse wird die Kakaobutter abgepresst. Dabei entstehen harte Presskuchen, die zu Kakaopulver gemahlen werden. Aus der Kakaomasse wird schließlich Schokolade gemacht. Sie wird erhitzt, mit Kakaobutter und Zucker zu geschmeidiger Schokoladenmasse gerührt. Danach kommt die Masse in Formen, kühlt ab und fertig ist die Schokolade.

Schokolade enthält Kakaomasse, Kakaobutter und Zucker. In schwarzer Schokolade beträgt der Kakaoanteil oft 70 Prozent oder mehr. Milchschokolade enthält ca. 25 Prozent Kakao und zusätzlich Milchpulver. In weißer Schokolade ist nur Kakaobutter und Zucker ohne Kakaomasse.

Macht Schokolade glücklich? Ja! Wissenschaftler haben sich mit dieser Frage beschäftigt und sind auf interessante Ergebnisse gestoßen. In Schokolade finden sich mehr als 300 Inhaltsstoffe. Darunter sind solche, die anregend wirken und tatsächlich ein Glücksgefühl erzeugen können. Es ist sogar ein Stoff enthalten, der gegen Liebeskummer helfen soll.

Ist Schokolade ungesund? Jein! Tatsächlich enthält eine Tafel ca. 500 Kalorien, 40 g Fett, 50 g Zucker, 9 g Eiweiß und 1 g sonstige Bestandteile. Wer sich sonst gesund ernährt und viel bewegt, dem tut Schokolade dann gut, wenn sie in vernünftigen Mengen gegessen wird.

Kinderarbeit für Schokolade ist Alltag in der Schokoladenproduktion. Viele Süßigkeiten zaubern ein Lächeln in die Gesichter unsere Kinder. Kinderarbeiter auf den Kakaoplantagen wissen hingegen noch nicht einmal, wie Schokolade schmeckt. Dafür schuften sie für die Herstellung von Kakao unter unmenschlichen Bedingungen. Eigentlich sollten sie zur Schule gehen und mit ihren Freunden spielen – doch für viele Kinder sieht die Wirklichkeit ganz anders aus.

get-attachment.aspxSolche „bittere“ Schokolade is(s)t in aller Munde, doch wir wissen oft nicht, unter welchen menschenunwürdigen Bedingungen viele Schokoladenprodukte hergestellt werden. In Ghana und der Elfenbeinküste müssen immer noch 1,8 Millionen Kinder unter schwersten Bedingungen auf Kakaofarmen bis zu 15 Stunden täglich arbeiten. Schulbildung: Fehlanzeige.
Die Umweltorganisation Greenpeace stieß auf alarmierende Zustände. Sie berichtet von Zehnjährigen, die durch die harte Arbeit ständig müde sind und stark gealtert wirken. Sie leiden unter Hautkrankheiten sowie schweren Verletzungen. Sie müssen ohne Schutzkleidung mit Macheten und Pestiziden hantieren, stundenlang unter sengender Hitze für Hungerlöhne arbeiten, und würden teils aus Mali und Burkina Faso verschleppt, auf Plantagen eingesperrt und mit Gewalt zur Arbeit gezwungen.

Bio-Kakao wird in Mischkulturen angebaut. Er eignet sich besonders für Kleinbauern, die für ihren eigenen Bedarf auch Obst und Gemüse zwischen den Kakaobäumen pflanzen. Die ständige Kontrolle der Bauern und die biologische Vielfalt machen den Kakaobaum für Schädlinge weniger anfällig. So können sie auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichten, was die Umwelt schont.

Diese Bauern erwirtschaften höhere Einkünfte für ihre Produkte, sodass sie auf Kinderarbeit verzichten können. Ähnliches gilt für fair gehandelte Schokolade. Für die Kleinbauern haben der Bio-Anbau und der faire Handel viele Vorteile. Die Erlöse sind stabiler, mit dem Verzicht auf Pestizide sparen sie Geld und schützen ihre eigene Gesundheit.

Faire Schokolade wird erfreulicherweise bei immer mehr Kindern und Erwachsenen nachgefragt. Wer faire, kinderarbeitsfreie Schokolade genießen möchte, findet sie in Weltläden, im Naturkosthandel und in vielen Supermärkten. Die Fairhandelshäuser dwp, Gepa und El Puente garantieren, dass Kinderarbeit von unabhängigen Prüfern ausgeschlossen wird. Um das begehrte „Fairtrade-Siegel“ zu erhalten, müssen Bauern ihre Kinder zur Schule schicken. Sie dürfen höchstens zwischendurch auf den elterlichen Plantagen aushelfen. Faire Schokolade garantiert soziale Mindeststandards, darunter fällt auch der Verzicht auf Kinderarbeit. Garant für 100 Prozent Faire Produkte sind die über 800 Weltläden in Deutschland. Wer hier einkauft weiß, dass nur Produkte aus Fairem Handel im Regal stehen.

Wenn die Milch aus Deutschland in der Schokolade dann ebenfalls „Fair+Bio“ ist, sind das die idealen Zutaten für die Vollmilch-Süßigkeit. Wer Bio-Schokolade kauft, unterstützt eine gute Tierhaltung bei uns. Denn die Milch dafür wird artgerecht hergestellt und die Landwirte werden ordentlich dafür bezahlt. Die Milch für Billig-Schokolade wird hingegen billig in Massenviehhaltung produziert

Ein gutes Beispiel ist Kuapa Kokoo, ein großer Zusammenschluss von Kakaokleinbauern aus Ghana. Auf ihren Feldern von durchschnittlich 0,5 ha ernten die Familien die hochwertigen Kakaosorten Trinitario und Criollo. Mit den Mehrpreiszahlungen aus Fairem Handel wurden u.a. Programme zur Frauenförderung finanziert sowie Schulen und eine sichere Trinkwasserversorgung aufgebaut. http://www.fairtrade-code.de/transfair/mod_produkte_produkt/kategorie/afrika/produkt/pz_kakao_ghana_kuapakokoo/lang/de/index.html

 

 

Kakao nennt man zu Recht das „schwarze Gold“. Kakao zählt nach Erdöl und Kaffee zu den meistgehandelten Rohstoffen. Darum gehören Kakaobohnen zu den wertvollsten landwirtschaftlichen Produkten weltweit. Der Kakaoanbau könnte tatsächlich so umgestellt werden, dass zumindest die Ausbeutung von Kindern ausgeschlossen wird, wenn die Konzerne bereit wären ihre Gewinne dem Ziel menschenwürdiger Arbeitsbedingungen unterzuordnen. Wenn Händler bereit wären, in ihrem Sortiment auf Waren zu verzichten, die mit Hilfe ausbeuterischer Kinderarbeit produziert wurden.

Verbraucher haben die Macht, dies zu ändern. Denn wenn die Nachfrage nach fairer Schokolade steigt, werden die Unternehmer sie vermehrt anbieten. Wir als Käufer sind gefragt: Billig und bitter oder gerecht bezahlt und ohne üblen Beigeschmack?

Kakao statt Kokain
Im tropischen Mittel- und Südamerika ist der Anbau der Coca-Pflanze gefährlich, aus der das Rauschgift Kokain gewonnen wird. Viele Bauern haben kaum eine Alternative, mit anderen Früchten ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Sie werden von kriminellen Banden dazu gezwungen, die Droge auf ihren Feldern anzubauen. Aber von den Regierungen werden sie im Kampf gegen die Drogenkriminalität mitbekämpft. Nun zeichnet sich eine Wende für die Kleinbauernfamilien ab. Kleine Initiativen machen den Anfang und unterstützen den Anbau von alternativen Produkten, unter anderem fair gehandeltem Kakao, um den Bauern den Ausstieg aus der Drogenproduktion zu ermöglichen. Der Faire Handel ermöglicht ihnen, auch ohne den illegalen, aber lukrativen Anbau gut leben zu können. Auch wenn Organisationen, die sich über den Rauschgifthandel finanzieren, die Fairhandels-Aktivitäten mit Gewalt bekämpfen und es daher auch schon zu Rückschlägen kam: Auf lange Sicht kann der Drogenwirtschaft so entgegengewirkt werden.