Ressourcen und Konflikte Drucken E-Mail

ressourcenRessourcen wecken Begehrlichkeiten – und heizen Konflikte an

Die Macht über wertvolle Ressourcen verheißt Profit. Je begehrter ein Rohstoff ist, umso höher können die Gewinne sein, die mit ihm zu erzielen sind. Und je gieriger Menschen nach den Erträgen werden, umso skrupelloser wollen sie die Macht über Ressourcen an sich reißen und ausüben.

Das führt zu Konflikten bis hin zu Kriegen. Es gibt zahlreiche Beispiele, dass Kriege und Bürgerkriege um Rohstoffe und ihre Ausbeutung geführt wurden.

1990 etwa besetzte der Irak das ölreiche Kuwait, nachdem beide Länder jahrelange Konflikte um Ölvorkommen im Grenzgebiet nicht lösen konnten und sich auch nicht auf eine Preispolitik einigten. Die Reaktion des Westens unter Führung der USA war 1991 ein Angriff auf den Irak, um Kuwait zu befreien. Das Motiv für diesen Krieg war der Schutz des ölreichen Saudi-Arabiens vor einem möglichen Angriff des Irak sowie die Rückeroberung von Kuwaits reichhaltigen Ölquellen. Deutschland beteiligte sich an dem so genannten „2. Golfkrieg“ nicht militärisch, finanzierte ihn aber mit Milliardensummen mit. Es dürfte als sicher gelten, dass die USA den Angriff auf Irak nicht gestartet hätten, wenn Kuwait nicht über seinen Ölreichtum verfügt hätte. Aber hätte Irak dann überhaupt Kuwait besetzt?

Afrika ist der rohstoffreichste und auch der konfliktreichste Kontinent. Dieser Zusammenhang ist leider nicht zufällig. Nach dem Abzug der portugiesischen Kolonialherren 1975 kam es beispielsweise sowohl in Mosambik als auch in Angola zu erbitterten Bürgerkriegen um die Herrschaft im Land. In Mosambik endete der blutige Konflikt 1992. Das Land war schlicht zu arm, um den kostspieligen Konflikt weiter finanzieren zu können.
Im Gegensatz dazu dauerte der Bürgerkrieg in Angola zehn Jahre länger. Die Gegner kämpften um große Diamanten-, Erz- und Ölvorkommen in dem Land. Doch diese Rohstoffe waren nicht nur das Ziel der Eroberungen, sie finanzierten auch den Krieg. Denn mit dem Verkauf wurden die Waffen bezahlt, mit denen der Krieg geführt wurde. Allein die Kriegspartei UNITA förderte von 1992 – 1998 Diamanten im Wert von vier Milliarden US-Dollar. So wurde der enorme Reichtum des Landes seinen Bewohnern zum Verhängnis. In der Bürgerkriegszeit war Angola das Land mit dem drittletzten Platz in der menschlichen Entwicklung.

Ein Bürgerkrieg im westafrikanischen Liberia schwappte 1991 nach Sierra Leone über. Der liberianische Kriegsherr (Warlord) Charles Taylor übernahm die Kontrolle über die reichen Diamantenvorkommen des Nachbarlandes. Damit finanzierte er seinen eigenen Krieg. Gemeinsam mit dem sierra-leonischen Warlord Foday Sankoh verkaufte er zigtausende „Blutdiamanten“ vor allem nach Antwerpen, obwohl dies international verboten war. Doch die Juwelen sind klein, lassen sich einfach schmuggeln und zu legalen Edelsteinen umetikettieren. Vor allem ermöglichen sie aber einen enormen Profit, skrupellose Schmuggler konnten den 80-fachen Wert für sie erzielen.
In ihren Armeen zwangen die Kriegstreiber aller Seiten auch tausende Kinder in den Kampf. Sie setzten sie Terror und extremer Gewalt aus und zwangen sie, Drogen zu nehmen. Damit dressierten sie junge Kinder dazu, furchtbare Taten zu begehen. Manche mussten sogar die eigenen Eltern ermorden.
Man nimmt Kindersoldaten oft ihr Selbstwertgefühl und ihre Identität, so dass ihnen die eigene Gefahr gleichgültig wird und sie eine unglaubliche Todesverachtung zeigen. In den Händen rücksichtsloser Militärs werden Kinder so zu idealen Soldaten: gewaltbereit, empfindungslos und todes-„mutig“. Die Folgen tragen die Opfer in Sierra Leone trotz eines inzwischen gelungenen Friedensschlusses ein Leben lang, denn zehntausende Menschen wurden von ihnen grausam verstümmelt.

ressourcen_1In anderen Kriegen, beispielsweise in Sri Lanka und im Libanon, wurden gezielt Kinder für Selbstmordkommandos missbraucht. UNICEF schätzt, dass rund 300.000 Kinder weltweit zum Soldatendienst gezwungen werden. Sie werden zum Teil schon als Sechsjährige direkt in Kampfhandlungen einbezogen oder als Boten und Spione eingesetzt.

Kindersoldaten gibt es auch in Uganda und in der Demokratischen Republik Kongo. Im Grenzgebiet der Länder tobte bis 2009 ein jahrzehntelanger unübersichtlicher Kampf um die Herrschaft über die Rohstoffe Coltan, Diamanten, Kupfer, Kobalt und Gold. Immer wieder flackern Konflikte auf, einen stabilen Frieden gibt es noch nicht. Beteiligt sind verschiedene Warlords mit ihren Privatarmeen, der kongolesische Zentralstaat mit wechselnden Regierungen und weitere Nachbarländer.

Den begehrten Rohstoff Coltan, der zu Spitzenzeiten über 200.000 Dollar pro Tonne wert war, trägt jeder von uns in der Hosentasche. Denn das Metall wird in jedem Handy verwendet, und seine größten Vorkommen liegen fatalerweise in der Konfliktregion. Auch hierfür gilt leider, dass dort der Rohstoffsegen den Bewohnern zum Fluch wurde.

Auf die Zusammenhänge unseres Coltan-Verbrauchs und dem Missbrauch von Kindern als Soldaten weist auch der bekannte Musiker Wolfgang Niedecken (BAP) hin. Er unterstützt engagiert ein Hilfsprojekt der Organisation World Vision, das Kindersoldaten wieder die Kindheit zurückgeben soll. In zwei „Rebound“-Häusern erhalten sie Schulunterricht und eine Berufsausbildung. Dort können sie in psychologischen Therapien auch ihre seelischen Wunden heilen und langsam zurück in eine bessere Zukunft finden.

Wegen des Einsatzes von Kindersoldaten verurteilte der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag den früheren kongolesischen Warlord Thomas Lubanga im Juli 2012 zu 14 Jahren Haft. Das Urteil wurde jedoch unterschiedlich bewertet, die Anklage hatte 30 Jahre Gefängnis gefordert.

 

Es geht um ein unbewohntes Atoll – nur?
Im Mai 2012 eskaliert ein Streit zwischen den Philippinen und China. Zwischen beiden Ländern liegt im Südchinesischen Meer das unbewohnte Scarborough-Riff, ein 150 Quadratkilometer großes Korallen-Gebiet. Dort suchten chinesische Fischer angeblich Schutz vor einem Taifun. In dem von den Philippinen ebenfalls beanspruchten Gebiet wurden sie von der philippinischen Marine eingekesselt und durchsucht. Daraufhin eilten ihnen die chinesischen Seestreitkräfte zu Hilfe. Handelsbeschränkungen und weiterreichende Drohungen waren die Folge. Die USA, eng mit den Philippinen verbündet, kündigten an, Flottenverbände in die Region zu verlegen.
Hintergrund des riskanten Säbelrasselns: Das Riff verfügt über einen großen Fischreichtum. Vor allem aber sollen unter dem Meeresgrund riesige Mengen an Erdöl und -gas liegen, um die die beiden Anliegerstaaten konkurrieren.