Seltene Erden Drucken E-Mail

selteneerden„Seltene Erden“ – ein seltsamer Name. Hinter ihm verbergen sich 17 Stoffe wie Lanthan, Neodym, Europium, Yttrium, Erbium und andere. Was hat es mit diesen merkwürdigen Metallen auf sich? Und warum interessiert sich Bundeskanzlerin Angela Merkel 2011 so sehr dafür, dass sie eigens in die Mongolei fährt?

Die 17 Elemente der so genannten Seltenen Erden sind eigentlich gar nicht so selten wie ihr Name andeutet. Die meisten kommen sogar häufiger vor als Blei, Gold oder Platin. Aber konzentrierte Vorkommen sind selten. Sie kommen stattdessen sehr fein verteilt vor, meist als Mischung mit anderen Mineralien und fallen auch als Nebenprodukt bei der Gewinnung anderer Rohstoffe an.

Nur in wenigen Lagerstätten weltweit wird direkt nach Seltenen Erden gegraben. Die gegenwärtig größten Abbaugebiete liegen in der Inneren Mongolei, einem Teil der Volksrepublik China. Dort wurden 2010 rund 95 Prozent der Seltenen Erden direkt gefördert. Weitere Vorkommen gibt es auch in den USA, Australien, Kanada, Kirgisien, im Mongolischen Staat, Indien, Brasilien, Grönland und Afghanistan. Auch auf dem Meeresgrund des Pazifiks sollen Seltene Erden vorkommen. In Deutschland wird eine kleine Lagerstätte in Sachsen erschlossen.

selteneerden_5Jeder hat sie in Geräten des Alltags. Durch unterschiedliche chemische und physikalische Eigenschaften haben die Seltenen Erden eine große Bedeutung für die moderne Hochtechnologie und Elektronik erhalten. Insbesondere ihre elektro-magnetischen und ihre Leucht-Eigenschaften machen sie interessant.

Sie finden sich als Dauermagnete in den Motoren von Elektro-Autos, aber auch in Strom-Generatoren beispielsweise von Windkraftanlagen. Sie werden als Leuchtstoff in Energiesparlampen, Displays, Computerbildschirmen und modernen Fernsehgeräten verbaut. Seltene Erden sind Bestandteil von Solarzellen, Handys, PC-Festplatten, Auto-Katalysatoren und Radarsystemen. Auch für medizinische Röntgen-Untersuchungen werden sie eingesetzt.

Die vielen Einsatz-Möglichkeiten gerade für umweltschonende Technologien wie erneuerbare Energien und Energieeffizienz haben einen deutlichen Anstieg der Preise hervorgerufen.

Das Darmstädter Öko-Institut stellte fest, dass Elemente wie Lanthan und Cer bis 2009 unter 10 US-Doller pro Kilogramm kosteten, im Jahr 2010 versechsfachte sich ihr Preis auf rund 60 Dollar. Der Preis von Neodym, das wichtig für Windkraftanlagen ist, steigerte sich von 2006 zu 2010 um den Faktor acht. Terbium kostete 2001 noch rund 140 Dollar pro Kilogramm, 2008 wurde es mit über 700 Dollar gehandelt.

Nicht nur die weltweit gestiegene Nachfrage, sondern auch eine künstliche Verknappung durch die chinesische Regierung 2010/11 steigerte die Preise auf dem Weltmarkt. Sie soll dem Land einen technologisch-wirtschaftlichen Vorsprung im High-Tech-Markt verschaffen. So wurde etwa die Hälfte aller Windkraftanlagen im Jahr 2010 allein in der Volksrepublik China installiert. Für ihren Bau ist der Zugang zu Neodym eine wichtige Voraussetzung.

Seltene Erden zu gewinnen ist sehr aufwändig. Sie werden aus anderen Erzen mit Laugen und Säuren aufgeschlossen, mit Chlor und weiteren Chemikalien teils unter hohen Temperaturen behandelt. Weil die Arbeits- und Lohnkosten in den chinesischen Bergwerken sehr niedrig und die Umweltstandards gering sind, lohnte es sich bis vor kurzem nur dort, diese Rohstoffe zu fördern und aus dem Gestein zu extrahieren. Die gestiegenen Preise machen eine Förderung inzwischen jedoch auch in anderen Ländern lohnend. So werden bis zum Jahr 2015 zahlreiche weitere Lagerstätten erschlossen, beispielsweise in USA, Kanada, Grönland, im südlichen Afrika, Australien, Indien und der Mongolei.

Die Förderung der Seltenen Erden ist nicht nur aufwändig, sondern auch riskant. Das Öko-Institut schreibt im Januar 2011:
„Beim Abbau von Seltenen Erden fallen im Bergbau sehr große Mengen an Rückständen an, die giftige Abfälle enthalten. Diese werden in künstlichen Teichen, umgeben von einem Damm, abgelagert. Ein Dammdurchbruch (…) kann zu zerstörerischen Umweltauswirkungen mit spezifischen Emissionen von Thorium, Uran, Schwermetallen, Säuren und Fluoriden führen. Darüber hinaus enthalten die meisten Seltenen Erden-Lagerstätten radioaktive Materialien, die Gefahren wie das Austreten von Radioaktivität in den Luft- oder Wasserpfad bergen. (…)
Die am weitesten fortgeschrittenen Minenprojekte außerhalb Chinas – am Mountain Pass in den Vereinigten Staaten und am Mt. Weld in Australien – setzen Umweltschutzsysteme im Bergbau ein. An anderen Standorten könnten der hohe Kosten- und Zeitdruck bei der Erkundung neuer Minen jedoch zu Projekten mit inakzeptablen Umweltstandards führen. Ein Beispiel für mögliche künftige Umweltschäden sind Planungen für eine integrierte Uran- und Seltene Erden-Förderung in Grönland. Das interessierte Bergbauunternehmen beabsichtigt, die giftigen Rückstände in einem natürlichen See mit Meereszufluss zu speichern.“

selteneerden_2Angesichts von Versorgungsrisiken auf dem Weltmarkt und den Gefahren für die Umwelt einerseits, und andererseits einer hohen Bedeutung der Seltenen Erden für den Ausbau der Erneuerbaren Energien, schlägt das Öko-Institut eine Nachhaltigkeits-Strategie der „Seltene-Erden-Wirtschaft“ für Europa vor. Es hält den Aufbau eines effizienten europäischen Recycling-Systems bis 2020 für möglich.

Die Bundesregierung will sich darauf allein nicht verlassen. Wer sich wunderte, dass Kanzlerin Angela Merkel persönlich Ende 2011 die eher unbedeutende Mongolei besuchte, wusste nichts von den großen Rohstoff-Vorkommen des riesigen Landes. Trotz seiner Ausdehnung hat es nur 2,75 Millionen Einwohner, weniger als Berlin.

Besonders die Seltenen Erden, Kupfer und Kohle hatten es der deutschen Regierungs-Chefin angetan, und so schloss sie mit der mongolischen Regierung ein Rohstoff-Abkommen als „strategische Allianz“. Es sichert der deutschen Industrie einen unbegrenzten Zugang zu den Bodenschätzen des Landes. Im Gegenzug verpflichtet sich Deutschland zur Lieferung von Hoch-Technologie. Der mongolische Ministerpräsident Sukhbaatar Batbold: "Wir haben Rohstoffe, Deutschland hat die neueste Technologie und Know-how".