Ohne Wasser kein Leben Drucken E-Mail

selteneerden_6Wie sähe unsere Erde ohne Wasser aus? Vermutlich wie der Mond, wie die Sahara oder andere unwirtliche Landschaften. Wasser ist die Grundlage allen Lebens und auch für den Menschen unentbehrlich. Der dauerhafte Zugang zu sauberem, trinkbarem Wasser ist ein Menschenrecht, das ist sogar international vereinbart. Und er ist eine wichtige Voraussetzung für die menschliche Gesundheit, denn zahlreiche schwere, aber vermeidbare Krankheiten werden durch verschmutztes Wasser und mangelnde Hygiene verursacht. In vielen Ländern aber herrscht Wassermangel.

Als sich im Jahr 2000 die Staatenlenker nahezu aller Länder der Erde trafen, um zur weltweiten Armutsbekämpfung die Jahrtausendziele (Millenniumsziele) festzulegen, wurde auch an diese Frage gedacht. Denn noch 1990 hatten rund ein Viertel der damals über sechs Milliarden Menschen keinen sicheren Zugang zu Wasser, das waren mehr als 1,7 Milliarden.
Im Millenniumsziel 7 wurde festgelegt, dass dieser Anteil bis zum Jahr 2015 halbiert werden soll. Dies ist bereits im Jahr 2012 erreicht worden, bis 2015 wird das Ziel sogar übertroffen. Inzwischen lebt sogar eine knappe Milliarde Menschen mehr, aber der Anteil von Menschen ohne Zugang zu Wasser ist auf rund 11 Prozent gesunken. Für zwei Milliarden Menschen, fast ein Drittel der Menschheit, wurde der Zugang zu Wasser verbessert – ein großer Erfolg. Er wurde überwiegend in den Städten Asiens, Lateinamerikas und Nordafrikas erreicht.

wasser_1Die ländlichen Regionen weltweit und auch die Städte in Afrika südlich der Sahara sind jedoch nach wie vor schlecht versorgt. Immer noch rund 800 Millionen Menschen benötigen dringend bessere Möglichkeiten, um sich sicher mit sauberem Wasser versorgen zu können. Die UNESCO informierte beim Weltwasserforum 2012, dass jährlich rund 3,5 Millionen Menschen an den Folgen schlechter Wasserversorgung sterben.

Die bisherigen guten Fortschritte in der Wasserversorgung seien bedroht, ist eine weitere Aussage der UNESCO im Weltwasserbericht 2012. Bevölkerungswachstum und neue Konsummuster lassen den Wasserverbrauch ansteigen. Gleichzeitig verschärften Klimawandel, Verschmutzung und Übernutzung den Mangel an sauberem Trinkwasser in vielen Regionen. Zudem konkurrierten Landwirtschaft, Industrie und Energieversorger stärker um die Ressource Wasser. Die weltweit stark steigende Nachfrage nach Wasser und seine ungleiche Verteilung könnten sich zu einer ernsthaften Krise ausweiten, so die eindeutige Warnung in dem Dokument.
Der WWF berichtet, dass es seit 2000 bereits mehr als 50 gewaltsame Konflikte um die Nutzung von Wasser gegeben habe. Die steigende Nachfrage nach Energie, Nahrung und sauberem Wasser werde die ohnehin schon schwelende Wasserkrise noch weiter verschärfen und vermehrt zu Konflikten führen. Die Organisation fordert daher einen globalen und verbindlichen Aktionsplan zur Bekämpfung der Wasserproblematik.

 

Wir verbrauchen vor allem „virtuelles“ Wasser – was ist das?

Besonders die Herstellung von tierischen Lebensmitteln und vielen industriellen Produkten benötigt viel Wasser. Dieser Verbrauch wird auch „virtuelles Wasser“ genannt, das in einem Produkt steckt.

wasser_2Für ein einziges Kilogramm Rindfleisch wird die unglaubliche Menge von rund 15.400 Liter Wasser benötigt. Bis ein Rind in Intensivhaltung nach drei Jahren geschlachtet wird, hat es 1.300 kg Kraftfutter und 7.200 kg weiteres Futter wie Heu und Weidegras gefressen. In dieser Zeit wurde das Tier mit 24.000 Liter Wasser getränkt. Doch sein Trinkwasser macht bei 120 kg reinem Fleisch (ohne Knochen etc.) nur rund 200 Liter pro Kilogramm Fleisch aus. Den überwiegenden Teil des Wassers, nämlich 15.200 Liter, verbrauchte der Futteranbau, vor allem für Soja, aus dem das Kraftfutter hergestellt wird.

Eine Kilokalorie (kcal) Nahrung aus Rindfleisch verbraucht mit 10 Litern etwa die zwanzigfache Menge einer kcal aus Kartoffeln, die mit einem halben Liter Wasser produziert wird.

Schweine- und Hühnerfleisch sind gegenüber Rindfleisch sparsamer: Um eine kcal aus Hühnerfleisch zu produzieren wird nur ein Drittel, bei Schweinefleisch lediglich ein Fünftel der Wassermenge verbraucht, die für Rindfleisch benötigt wird. Generell gilt, dass pflanzliches Essen noch erheblich weniger Wasser (und Energie) benötigt als tierische Nahrung.

Die zahlreichen Komponenten, die viele Industrieprodukte beinhalten, verbrauchen ebenfalls bei Ihrer Herstellung viel Wasser. Beim Abbau der Rohstoffe, bei der Weiterverarbeitung, zur Energieerzeugung, zur Kühlung von Produktionsprozessen bis hin zur Endmontage. Ein einziges kleineres Auto benötigt zu seiner Herstellung durchschnittlich 400.000 Liter Wasser, wobei diese Zahl bei großen Fahrzeugen deutlich steigen kann. Um einen PC herzustellen, werden rund 20.000 Liter verbraucht.

Durch die sinkende Armut auf der Welt verändern sich die Konsumgewohnheiten. Wer sich etwas mehr leisten kann, will meist mehr Fleisch essen, kann sich mehr Kleidung und beispielsweise Unterhaltungselektronik kaufen – wer will es den Menschen verdenken, die ihre Armut überwunden haben?
Aber: Dieser größere Konsum geht zu Lasten des Wasserhaushalts, oft auch in fernen Ländern. Denn mit den Rohstoffen, Waren und Nahrungsmitteln aus anderen Ländern wird auch das virtuelle Wasser mit importiert. Wenn wir beispielsweise Baumwolle oder Lederwaren aus Indien einführen, tun wir dies letztlich zu Lasten der Wasservorräte in dem südasiatischen Land, das anderen Zwecken dann nicht mehr zur Verfügung steht.

Weltweit werden 70 Prozent des Süßwassers für die Herstellung von Nahrung verbraucht (Deutschland: 73,7 %). Das meiste weitere wird für die Industrieproduktion (Deutschland: 22,8 %) und nur ein kleiner Teil als Haushaltswasser (Deutschland: 3,4 %) genutzt, berichtete der WWF im Jahr 2009. Durch seine Importe vor allem landwirtschaftlicher Produkte verbraucht Deutschland aber auch in über 200 anderen Staaten der Welt viel Wasser.
Insgesamt verbraucht jeder Deutsche täglich 5.288 Liter virtuelles und echtes Wasser. Der Anteil von eigenem und ausländischem Wasser ist dabei fast gleich hoch.

Aber während in Deutschland (noch) keine Wasserknappheit herrscht, gibt es in vielen anderen Ländern und Regionen einen teils gravierenden Wassermangel. Dafür muss man noch nicht einmal besonders weit weg schauen, schon in den EU-Ländern Italien und Spanien herrscht mancherorts eine problematische Trockenheit. Dennoch beziehen wir große Teile unseres Gemüses und Obstes von dort, entziehen also auch diesen Nachbarländern virtuelles Wasser. Ganz zu schweigen von ägyptischen Bohnen, israelischen Avocados und peruanischem Spargel, die in unseren Supermärkten angeboten und von uns konsumiert werden, oder Baumwoll-Produkten aus Usbekistan.

Screen_Shot_2012-07-25_at_3.13.30_PMNach der Versorgung kommt die Entsorgung

Wer sich mit Fragen der Wasser-Versorgung befasst, kommt schnell auch zu der naheliegenden Thematik der Abwasser-Entsorgung. (Lassen wir dabei vielleicht einmal die Entsorgung von dreckigen Industrie-Abwässern beiseite, auch die Verschmutzung von landwirtschaftlich genutztem Wasser durch Dünge- und Pflanzenschutzmittel, das in die Böden sickert. Konzentrieren wir uns nur auf die Entsorgung des Siedlungs-Wassers.)

In Deutschland gehen wir auf’s Klo und spülen unser Geschäft mit einem wertvollen Lebensmittel herunter, um das uns viele Menschen auf der Welt beneiden. Wir können uns das gut leisten angesichts der Wassermengen, über die unser Land dank seiner klimatischen Bedingungen glücklicherweise verfügt. Das Abwasser tritt seinen Weg durch eine geschlossene Kanalisation an, und landet in einer Kläranlage. Dort wird das verwendete Wasser wieder gereinigt und kann in den Wasserkreislauf zurückgegeben werden. Der Klärschlamm wird meist als Dünger genutzt, in Biogasanlagen umgewandelt oder in Kraftwerken mitverbrannt.

Trotz eines eher sorglosen Umgangs mit Wasser sparten die Deutschen in den letzten Jahren dabei deutlich ein, rund 14 Prozent Wasser wurden in Privathaushalten zwischen 1991 und 2007 weniger verbraucht, pro Kopf 20 Liter täglich weniger. Was den Geldbeutel und die Umwelt schonen soll und beispielsweise mit Hilfe von sparsameren Toilettenspülungen erreicht wird, bringt sogar Abwasserunternehmen in Probleme, da die manche Kanalisationen nicht mehr gut genug durchgespült werden.

Ganz anders sieht die Situation in vielen armen Ländern aus, die für ihre Bürger keine Kanalisation bauen können. Etwa jeder dritte Mensch hat keine ausreichenden sanitären Einrichtungen. Wenn sie „müssen“, können sie auf keine Toilette gehen, sie haben einfach keine.
Was in Deutschland viele Kinder angesichts oftmals ekliger und kaputter Schultoiletten am Vormittag durchhalten müssen, machen die Menschen dort ihr ganzes Leben durch: Nicht zu wissen, wie und wohin.

Viele Menschen machen auf ein Stück Zeitung, das sie dann zusammenfalten, oder in einen Plastikbeutel. Aber wohin damit danach? Hinter den nächsten Busch? In den Bach nebenan? Einfach auf die Straße? In einen Abfallsack, den aber auch keine Müllabfuhr entsorgt, weil es sie genauswenig gibt? Plumpsklos können eine Weile das Problem lösen, bis sie voll sind. Aber auch nur dann, wenn genug Platz da ist, um neue zu errichten. Wenn viele Menschen sehr eng zusammenleben wie in vielen Slums, ist auch dies keine Lösung.
2,5 Milliarden Menschen stehen tagtäglich vor genau diesem Problem – und kaum jemand redet darüber. Ihnen bleibt wenig anderes, als sich irgendwo zu erleichtern und „es“ irgendwie verschwinden zu lassen. Aber nichts verschwindet wirklich. Die „Pakete“ reißen manchmal und schon breitet der Inhalt sich aus.

Was in Flüsse, Bäche, Kanäle oder Brunnen gelangt, verbreitet sich schnell. Besonders wenn es warm ist verseuchen Krankheitserreger schnell das Wasser und machen es ungenießbar. Eine fehlende Abwasserentsorgung wird so zur größten Gefahr für eine funktionierende Wasserversorgung. Und sie ist eine der größten Gesundheitsgefahren. Das Kinderhilfswerk UNICEF beklagt, dass täglich mehr als 3.000 Kinder an Durchfall sterben, weil sie verseuchtes Wasser trinken. Zahllose weitere Kinder erkranken ernsthaft, und das Problem trifft auch Erwachsene.

Aber selbst wenn es Toiletten und vielleicht sogar eine halbwegs dichte Kanalisation gibt, wohin fließt das Schmutzwasser ab? Gibt es eine leistungsfähige Kläranlage? Oder wird der Dreck ins Grundwasser oder in den nächsten größeren Fluss geschwemmt? Wenn es flussabwärts zum Bewässern von Feldern verwendet wird, können sich die Krankheitserreger auf die Früchte legen. Dann wird krank, wer seine Lebensmittel nicht gut genug wäscht. Aber womit, wenn kein sauberes Wasser da ist?

Nicht nur für die Gesundheit ist das Vorhandensein von Toiletten wichtig. Selbst auf die Bildung hat es große Auswirkungen. Denn in vielen Ländern gibt es keine Schultoiletten, und dann schicken manche Eltern ihre Kinder nicht dorthin. Gerade Mädchen in einem Alter, in dem sie bereits ihre Regelblutung haben, dürfen dann nicht mehr zur Schule.
Wenn man weiß, dass Armut hauptsächlich durch mangelnde Bildung entsteht und dass der überwiegende Teil der Armen weiblich ist, findet man im Toilettenbau eine wichtige Voraussetzung, um langfristig die Armut zu mindern.

Für viele Menschen ist die Frage von gutem Wasser, gut entsorgtem Abwasser und Mindeststandards bei der Hygiene überlebenswichtig. Wer ihnen helfen will, muss sich auch mit ihren menschlichen Bedürfnissen befassen. Das ist eine wichtige Aufgabe für die internationale Entwicklungspolitik.

 

Beispiele für den Wasserverbrauch:

Produkt Virtuelles Wasser in Litern
1 Blatt neues Papier DIN-A-4 10
1 kg neues Papier 2000
1 kg Recycling-Papier 20
1 kg Rinds-Leder 17.100
1 Baumwoll- T-Shirt, 250 g. 2.500
1 Liter Biodiesel aus Soja 11.400
1 Liter Bioethanol aus Zuckerrüben 1.188
1 kg Schokolade 17.200
1 kg Rindfleisch 15.400
1 kg Schweinefleisch 6.000
1 kg Hühnerfleisch 4.325
1 kg Käse 3.200
1 kg Butter 5.500
1 kg Reis 2.500
1 kg Nudeln 1.850
1 kg Kartoffeln 290
1 kg Weizenbrot 1.600
1 kg Tomaten 214
1 kg Äpfel 822
1 kg Apfelsinen 560
1 kg Bananen 790
1 Ei (60 g.) 196
1 Glas Milch (250 ml) 255
1 Glas Wein (125 ml) 109
1 Glas Bier (250 ml) 74
1 Tasse Kaffee (125 ml) 132
1 Tasse Tee (125 ml) 27
1 Pizza Margherita 1.260

(Quelle: www.virtuelles-wasser.de, www.waterfootprint.org )